Auf ourworldindata.org gibt es einige äußerst interessante Diagramme zu sehen, die sich auf Daten der nationalen Behörden weltweit basieren.

Dort kann man unter “How do key COVID-19 metrics compare to previous waves?” (Wie unterscheiden sich Covid-19-Schlüsseldaten zu vorherigen Wellen?) die Daten von fünf Ländern einsehen. (UK, Spanien, Deutschland, USA und Israel).

Diese Daten vergleichen Faktoren wie, gemeldete Fälle, Klinikeinweisungen, Todesfälle und Patienten auf der Intensivstation. Nehmen wir das Beispiel Großbritannien. Das Bezugsdatum ist dort der 9. Januar 2021, wo alle vier oben genannte Kriterien bei 100% sind. Nun am 4. Januar 2022 auf den Höhepunkt der Omikronwelle liegen die gemeldeten Fälle bei 304% also 3x so hoch, wie Januar 2021.

Die Zahl der Patienten im Krankenhaus aber nur bei 49%, also die Hälfte! Und hierbei muss man noch bemerken, dass in die Hospitalisierungsrate auch die Fälle eingehen, die gar nichts mit einer Covid-Erkrankung zu tun haben. Diese Fälle nennt man „incidental“ oder begleitend, da auch jemand, der mit einem gebrochenen Arm in die Klinik geht und dort positiv getestet wurde, auch in dieser Statistik mit gerechnet wird.

Die Zahl der Todesfälle ist bei 21%, also nur noch ein Fünftel und die Zahl der künstlich beatmeten Patienten bei 17%. Und wie gesagt dies alles bei dreimal so hohen gemeldeten Fällen wie Januar 2021! (Und man bedenke zusätzlich die Dunkelziffer der unentdeckten Infektionen!)

Hieraus geht ganz klar hervor, dass die Omikronwelle anders ist als die Alpha-, Beta- und Deltawelle vorher. Wäre die Omikronwelle ähnlich der Alphawelle (Winter 20/21) müssten eben nicht nur die Infektionszahlen sich verdreifacht haben, sondern auch die der Todesfälle, der Klinikeinweisungen und die Zahl der schweren Fälle. Dies ist jedoch in keinem der fünf Länder der Fall. Darf man aus diesen Daten herauslesen, dass die Omikronvariante weitaus weniger krankmachend ist, als die anderen Varianten? Zweifellos!

Was ergibt sich daraus?

1. Wir hatten verdammt viel Glück, dass mit Omikron eine Virusvariante aufgetaucht ist, die zwar weitaus ansteckender ist als die vorherigen Varianten, weil sie den Immunschutz der Impfungen austricksen kann, aber sich gottseidank als viel weniger pathogen herausstellt. Stellen sie sich mal kurz vor, wir hätten die momentanen Fallzahlen in den vorherigen Wellen gehabt? Was dann wohl in unseren Krankenhäusern los wäre!

2. Es ist nun an der Zeit, sich die Zeit nach der Pandemie vorzustellen. Was ich meine ist, sich als Gesellschaft klar zu werden, welche Kriterien wir benutzen wollen um das Ende der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen einzuleiten? Die Inzidenz und der R-Wert können es wohl nicht mehr sein! Dann bleibt nur noch die Hospitalisierungsrate! Und wenn diese, wie wir gesehen haben, sich von den Fallzahlen (Inzidenzen) abgekoppelt hat, und sich dies in den nächsten 2-3 Wochen bestätigt, müssen wir uns – und die Politik auch - dann nicht die Frage stellen, womit wir all die Maßnahmen noch rechtfertigen?

Ich bin der Meinung, dass wir uns ganz klar werden müssen, auf welchen Kriterien unsere Definition von Pandemie denn nun beruht. Und so langsam damit beginnen sollten uns die Zeit nach der Pandemie vorzustellen. Wenn die Menschen nicht mehr schwer krank werden, ist der Moment gekommen, wo Politik und Medien ihre reflexartigen Warnungen überdenken sollten, denn damit wird gar nichts erreicht, außer der Bevölkerung Angst und Schrecken einzujagen. Das ist kontraproduktiv und versperrt den Blick auf die aktuell wirkliche Situation. Wann beginnt die Regierung mit der Reflektion über Konzepte, die uns aus der aktuellen Situation herausführen? Wie können wir diesen Übergang in die Endemie gemeinsam erreichen...?

Ist der Regierung bewusst, dass es auch andere Sektoren in unserem Land gibt außer der Gesundheit? Dass es auch Wirtschaft gibt? Familie? Arbeit? Bildung? Soziales Leben? Wie kann man es jetzt – angesichts der durch Omikron geschaffenen Fakten - noch verantworten alles total der "Angst“ unterzuordnen? Und wie verantwortet man, dass darüber so viele auf andere Art und Weise krank werden? Dass wir eine weniger gebildete Generation erschaffen? Dass wir gesellschaftliche Neurosen und psychische Erkrankungen erschaffen? Dass wir so viele Unternehmer und Künstler in den Ruin treiben? Der Mensch ist ein soziales Wesen, aber der Plan lautet immer noch: Zu Hause bleiben, Kontakte reduzieren, isolieren, … Dass die Gesellschaft sich voneinander abspaltet nehmen wir hin? Impfbefürworter gegen Impfskeptiker. Alte gegen Junge. Ängstliche gegen weniger Ängstliche, usw. Dass kein Diskurs über den Sinn, der manchmal wenig koordinierten Maßnahmen entstehen soll, nehmen wir hin? Die Widersprüchlichkeit der sich ständig verändernden Verordnungen, nehmen wir hin? Wann beginnen wir in den Dialog zu treten und nicht jeden Denk-Ansatz mit "Totschlagargumenten" zu erwürgen...? Wir haben die Phase von "das ist nicht zu diskutieren" und „alternativlos“ längst überschritten! (Auch die Impfpflichtdiskussion wird durch Omikron obsolet.) Zu viele Menschen überstehen eine Infektion, ob geimpft oder ungeimpft, einwandfrei.

Lasst uns das Ende der Pandemie ins Auge fassen, auch unter dem Aspekt, dass das Leben nie 100% Sicherheit gewähren kann und wir nicht aus Angst vor der Furcht ewig auf unser normales Leben verzichten können. Und schon gar nicht wollen!

Sollte es sich bestätigen, dass die Hospitalisierungsrate niedrig bleibt, ist es an der Zeit sich Omikron als Übergang zur Endemie vorzustellen, mit allem was dies für die Politik und für unser Zusammenleben bedeutet und beinhaltet. Sollte uns danach eine neue Variante überraschen, haben wir dann zumindest von der Politik vorgegebene, ganz klare Kriterien, auf die wir uns beziehen können.

Richard Stephany, Strassen