In einigen Monaten soll meine Schwiegermutter 100 Jahre alt werden. Ihr Leben war nicht das Einfachste und den größten Teil von diesem hat Sie als mutige Einzelkämpferin von Kind an bis ins hohe Alter geschafft. Geboren kurz nach dem ersten Weltkrieg, in armen Verhältnissen aufgewachsen, Ihr Erwachsenwerden geprägt durch den zweiten Weltkrieg.

Eingezogen im Reichsarbeitsdienst, bei ihrer Rückkehr nach Luxemburg aktiv mit ihrem zukünftigen Lebensgefährten im Widerstand in Niederkorn wo Sie mit einer Gruppe von Resistenzlern unzählige Menschenleben gerettet hat. Ihr Eheglück, leider nur von kurzer Dauer, denn Ihr Mann verstarb Anfang der Sechziger und hinterließ seine Frau mit 2 Kindern alleine zurück. Da Sie eine Kämpferin war zog sie trotz begrenzter finanziellen Mitteln ihre Kinder erfolgreich  groß und erlaubte Ihnen die Berufe zu erlernen die sie wollten. Um dies alles zu ermöglichen musste Sie Zeit ihres Lebens immer sehr hart arbeiten. Bis zu ihrem 93. Lebensjahr war ihr gegönnt in ihrem Haus zu leben, permanent umgeben von ihren Kindern und deren Familien. Dann erfolgte ihr Eintritt ins Altenheim, wo Sie bis heute lebt und auf ihren hundertsten Geburtstag wartet. Leider waren die beiden letzten Jahre, geprägt durch die Corona-Pandemie, nicht einfach für Sie und ihre Familie und man kann getrost sagen, dass Sie sehr unter den Momenten der Trennung, ausgelöst durch die vereinzelten Maßnahmen gelitten hat. Die Impfung ,  Sie ist dreifach geimpft, gab ihr Hoffnung auf eine Rückkehr in ein normales Leben. Der permanente Kontakt mit ihrer Familie, ist für Sie eine enorm wichtige Stütze und trägt maßgeblich  zum Erhalt ihrer psychischen und physischen Gesundheit bei.

Und dann begann letzten Montag der Horror für Sie. Im Rahmen einer  Corona-Testaktion im Altenheim wurde Sie positiv getestet. Vom Familien- und Gesundheitsministerium angeordnet musste Sie direkt in Quarantäne. In dem Fall bedeutet dies, dass sie seit jetzt schon eine Woche, während 24 Stunden pro Tag in ihrem Zimmer verbringen muss. Erlaubt ist weiter nichts als untätig bei fragiler psychischer Gesundheit alleine im Zimmer eingesperrt zu sein. Dank ihres Impfstatus hat Sie von Anfang an keine Symptome, Sie hatte eben nur das Pech positiv getestet zu werden. Als Familie, haben wir nur die Möglichkeit über Telefon und Videoanrufe mit ihr zu kommunizieren und dabei stellen wir fest, dass diese Situation Sie enorm belastet und ihr Allgemeinzustand sich maßgeblich verschlechtert hat und wir machen uns sehr große Sorgen um sie.

Das was hier auf Anordnung der jeweiligen Ministerien, mit solch psychisch fragilen und alten Menschen geschieht, ist nichts anderes als psychische  Folter durch Freiheitsentzug. Dass die Politik und die Politiker ein solches Vorgehen gegenüber Menschen in Altenheimen zulassen ist skandalös. Es ist Menschenquälerei die unbedingt gestoppt werden muss.

Alain Kinn

Sanem