LCGB-Chefbuchhalter hat Hausverbot- Anderer Buchhalter entlassen - Spautz und Kaes wollen im Herbst gegen ihre unfreiwillige Freistellung vorgehen.

Als vor einigen Wochen bekannt wurde, dass der christliche Gewerkschaftsbund Schulden in Höhe von nicht weniger als 1,050 Millionen Euro hat und die ehemaligen LCGB-Spitzenleute und heutigen CSV-Abgeordneten Marc Spautz und Ali Kaes gegen ihren Willen in unbezahlten Urlaub geschickt wurden, sah sich die Gewerkschaftsspitze um Präsident Robert Weber und Generalsekretär Patrick Dury gezwungen, kurzfristig eine Pressekonferenz einzuberufen. Hier war seinerzeit auch zu erfahren, dass der LCGB-Chefbuchhalter Maurice De La Gardelle schon seit längerem „krank gemeldet“ sei (die anwesenden Journalisten stellten hier natürlich auch die Frage, wie sich Schulden von 1,050 Millionen Euro - davon allein 400.000 Euro an unbezahlten Rechnungen, die in erster Linie  auf die Sozialwahlen 2008 zurückzuführen seien - überhaupt anhäufen konnten).

„L‘accès aux bureaux du LCGB est strictement interdit...“

Wie wir jetzt in Erfahrung bringen konnten, hat Maurice De La Gardelle inzwischen sogar Hausverbot bei seinem Arbeitgeber. Dies geht aus einem uns vorliegenden internen Schreiben der Gewerkschaft („note au personnel“) hervor, das auf den 28. Juli datiert ist und von Robert Weber und Patrick Dury unterzeichnet wurde. De La Gardelle soll die LCGB-Räumlichkeiten nur noch aus beruflichen Gründen und unter ausdrücklichen Genehmigung von Weber oder Dury betreten dürfen („... l‘accès aux bureaux du LCGB est également strictement interdit à Maurice De La Gardelle, et ce avec effet immédiat, sauf en cas d‘invitation explicite de la part du président national ou du secrétaire général pour raisons professionnelles“).

Dem internen Schreiben ist des Weiteren zu entnehmen, dass ein anderer Buchhalter wegen „faute grave“ entlassen wurde, und deswegen ebenfalls Hausverbot in den Gewerkschaftsbüros auf Nummer 11 der Rue du Commerce hat („... ne fait plus partie du personnel du LCGB suite à un licenciement pour faute grave. Par conséquent, tout accés aux bureaux du LCGB lui est interdit avec effet immédiat“). Damit arbeitet momentan laut Organigramm nur noch ein Mann in der ehemals dreiköpfigen LCGB-Abteilung „Comptabilité et Finances“...

„Tout contact avec les précités est strictement interdit“

Den LCGB-Mitarbeitern wird in der „note au personnel“ übrigens auch noch jeglicher Kontakt mit ihren ehemaligen Arbeitskollegen strengstens untersagt („veuillez noter que tout contact avec les précités est strictement interdit“).

Freiwillig gekündigt hat unseren Informationen zufolge indes der Verantwortliche für den Bereich „Sidérurgie/SESM“, der seinen Job gerade erst vor neun Monaten angetreten haben soll. Was nun die unfreiwillige Freistellung der beiden ehemaligen LCGB-Funktionäre Marc Spautz (der bis vor kurzem sogar noch LCGB-Generalsekretär war und in Zwischenzeit Generalsekretär der CSV ist) und Ali Kaes anbelangt, so wollen diese im Herbst mit allen ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln gegen die Entscheidung des LCGB-Exekutivkomitees vom 26. Mai vorgehen. In einer gemeinsamen Erklärung, in der die unfreiwillige Freistellung als nicht im Einklang mit dem Gesetz bezeichnet wurde, hatten die beiden CSV-Ageordneten am 7. Juli nämlich noch einmal die genauen Gründe für ihre unfreiwillige unbezahlte Beurlaubung gefordert („... nous venons de demander la communication des motifs à la base de cette même décision“).

„Hohes Arbeitspensum“

Die Gewerkschaftsspitze soll diese in Zwischenzeit mitgeteilt haben, wobei das Abgeordnetenmandat der beiden geschassten LCGB-Funktionäre anscheinend immer noch als Hauptgrund angeführt wird, nachdem Generalsekretär Patrick Dury das „hohe Arbeitspensum“, das den Abgeordneten nur wenig Zeit lasse, „neben der Arbeit in der Abgeordnetenkammer noch einem Beruf nachzugehen“, schon im Juli als Ursache für die Freistellung von Spautz und Kaes angeführt hatte.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass LCGB-Präsident Robert Weber ebenfalls CSV-Abgeordneter ist, und zudem auch noch Mitglied in nicht weniger als 20 Verwaltungsräten sowie Spitzenkandidat der „CSV Roeserbann“ für die Kommunalwahlen vom 9. Oktober...

Spautz und Kaes wollen nun von der gesetzlich garantierten Möglichkeit Gebrauch machen, innerhalb der nächsten drei Monate auf die neue Erklärung des LCGB zu reagieren. Allem Anschein nach wollen die beiden CSV-Abgeordneten mit Unterstützung ihres juristischen Beraters, dem früheren CSV-Spitzenpolitiker Jean-Louis Schiltz, alles dran setzen, den Entscheid des LCGB zu kontestieren, und dies sowohl arbeitsrechtlich als auch gegenüber dem Wahlgesetz.

„Affaire à suivre“ demnach. › St.