Nach dem Rücktritt von Robert Weber - Am 18. November bestimmt der LCGB-Gewerkschaftsrat einen Interim-Präsidenten

Wie geht es weiter beim LCGB? 15 Tage nach dem Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden Robert Weber kündigte die Interims-Gewerkschaftsführung gestern nach einer Sitzung des Zentralkomitees am Vortag die Einberufung eines Gewerkschaftsrats für den 18. November an. Das Gremium, das aus dem Zentralkomitee der Gewerkschaft, den Bezirkskomitees, den Komitees der Fachverbände und den Komitees der besonderen Strukturen des LCGB besteht, wird dann den Interim-Präsidenten bestimmen, der den christlichen Gewerkschaftsbund bis zum Nationalkongress 2014 führen soll. Einziger Kandidat ist bislang der amtierende Generalsekretär des christlichen Gewerkschaftsbunds, Patrick Dury. Bis zum 3. November können allerdings noch Kandidaturen von Zentralkomitee-Mitgliedern eingereicht werden. Die Organisation eines Nationalkongress sei zu aufwendig gewesen, kommentierte Dury gestern die Vorgehensweise, es sei „enorm wichtig dass der LCGB handlungsfähig ist" und das nicht nur wegen der internen Restrukturierung der Gewerkschaft sondern auch mit Blick auf die konjunkturbedingten Schwierigkeiten in vielen Betrieben und nicht zuletzt auf die Sozialwahlen 2013. Bis dahin will der LCGB nicht nur seine Finanzen weitgehend saniert haben - kürzlich war ja bekannt geworden, dass dem Gewerkschaftsbund etwas mehr als eine Million Euro in der Kasse fehlen - sondern auch eine neue „LCGB-Charta" stehen und eine Anpassung der Dienstleistungen für die Arbeitnehmer vollzogen sein. Wobei, wie Dury betonte, „nichts ausgelagert" werden soll. Keinen Gedanken verschwende man zudem beim christlichen Gewerkschaftsbund an die Idee einer Einheitsgewerkschaft... In Angriff nehmen wird die Arbeiten ab Anfang 2012 eine teils erneuerte Mannschaft. Wie gestern zu erfahren war, wird im kommenden Jahr Vizepräsidentin Viviane Goergen in den Vorruhestand gehen. Übrigens soll sich 2012 auch der ehemalige Präsident Robert Weber in die „préretraite" verabschieden.

ProActif: Kaes tritt zurück, Schmit wieder eingesetzt

Ob Weber weiterhin - wie er selbst ankündigte - Präsident des Verwaltungsrats der Beschäftigungsinitiative ProActif bleiben wird, dürfte sich am kommenden Montag bei der Generalversammlung der Initiative entscheiden. Patrick Dury wollte die Vorgänge bei der asbl, bei der ein Audit eine Reihe von Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung aufgedeckt hatte durch die ihr mehr öffentliche Gelder zuflossen als ihr eigentlich zustanden, gestern nicht kommentieren. Auch Arbeits- und Beschäftigungsminister Nicolas Schmit (LSAP) wollte der Generalversammlung gestern nicht vorgreifen. Er hatte sich bekanntlich nicht gerade erfreut darüber gezeigt dass der bisherige Verwaltungsratspräsident die notwendige Restrukturierung der Beschäftigungsinitiative leiten soll. Änderungen im Verwaltungsrat von ProActif gibt es allerdings bereits. So habe Vizepräsident Ali Kaes ihn über dessen Rücktritt informiert, sagte Schmit gestern dem „Journal" gegenüber. Auch sei der Generaldirektor von ProActif, Romain Schmit, „wieder eingesetzt". Schmit war bekanntlich suspendiert worden, nachdem er dem Verwaltungsratspräsidenten Robert Weber nach Bekanntwerden des besagten Audits öffentlich widersprochen und bestätigt hatte dass es Unregelmäßigkeiten in der Buchführung gab.

Kaes ist bekanntlich neben Marc Spautz einer der LCGB-Sekretäre und CSV-Abgeordneten, die im Rahmen der Restrukturierung der Gewerkschaft „zwangsbeurlaubt" wurden. Die beiden fechten die Entscheidung bekanntlich vor Gericht an. Patrick Dury sagte gestern, man sei „nahe an einer Lösung" des Streits. Marc Spautz sagt uns gestern dass es möglicherweise schnell zu einer Lösung kommen könnte, wenn der LCGB seinen Brief mit der „Freistellung" zurück zieht... ›c.