LJ-Gespräch mit Georges Dennewald, Präsident der Personaldelegation der BCEE.

„Die erhebliche Verbesserung der Finanzresultate der BCEE geht auf Kosten des Personals und das können wir nicht mehr akzeptieren“, schrieb die APBCEE (Association du Personnel de la Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat), die 1.400 Mitglieder zählt, in einer Pressemitteilung im Juni diesen Jahres im Anschluss an eine Unterredung mit Finanzminister Luc Frieden über den mangelnden Sozialdialog und die verschiedenen Missstände, denen das Personal der Staatssparkasse ausgesetzt ist. Seit 2001 sei der Personalstand quasi unverändert geblieben, obwohl sich zumal nach der Finanzkrise die Geschäfte spektakulär entwickelt hätten, mehrere hundert Kaderstellen seien unbesetzt, Gehaltserhöhungen blieben aus - kurz: Stress, Überlastung, Burn-Out und eine generelle Unzufriedenheit beim BCEE-Personal.

Das „Journal“ unterhielt sich mit dem Präsidenten der APBCEE, Georges Dennewald über die neuesten Entwicklungen und da war nicht viel Gutes zu erfahren. Ganz im Gegenteil.

Juristische Schritte wegen Einmischung in Personalvertretung

„In welcher Art sich diese Direktion willkürlich einfach über sämtliche Bestimmungen hinwegsetzt, haben wir kürzlich wieder erlebt“, sagte Georges Dennewald. „Es gibt noch eine zweite Vereinigung, die wesentlich kleiner ist als die APBCEE und die bei der Direktion mit dem Wunsch vorstellig wurde, die Präsidentschaft der Personalvertretung übernehmen zu können. Daraufhin hat die Direktion bestimmt, dass die Präsidentschaft jedes Jahr wechseln muss. Eine solche Einmischung der Direktion in die Funktionsweise der Personalvertretung ist wohl einmalig in einem demokratischen Staatssystem mit Gewerkschaftsfreiheit. Es verstößt zudem flagrant gegen Art. 36 des Beamtenstatuts, dem wir unterstehen und wir sahen uns gezwungen, zusammen mit der CGFP juristische Schritte einzuleiten.“ Denn ließe man dies zu, würde ein Präzedenzfall für den gesamten Staatsapparat geschaffen.

Das Hauptproblem bleibe aber, dass die Direktion unter Generaldirektor Jean-Claude Finck keinen Dialog führen wolle und sie in all den strittigen Punkten absolut keine Argumente für ihr Vorgehen vorweisen könne. Unter dem ehemaligen Direktor Raymond Kirsch seien die Führungskräfte in regelmäßigen Versammlungen über die neuesten Entwicklungen und Projekte informiert worden. „Jeder wusste, wo er dran war und konnte somit seine tägliche Arbeit in Einklang bringen mit der allgemeinen Strategie der Bank. Auch bei Entscheidungen, die dem Personal nicht gefallen haben, war die Kommunikation noch immer gut.“

„Es wird nur noch nach dem Profit der Bank geschaut“

Seit 2004 ist Raymond Kirsch nun weg und die Situation habe sich vor allem ab 2006 zusehends verschlechtert. Jetzt werde in den zwei jährlichen Treffen mit der Personalvertretung zu den seit Jahren anhängigen Problemen einfach gesagt, wir diskutieren das jetzt „noch einmal“ und dann nicht mehr. „Der Sozialdialog ist am Nullpunkt angekommen.“

Seien vorher die Beförderungsmöglichkeiten von der Bank voll genutzt worden, würden sie jetzt so minimal wie möglich gehalten. „Das macht hohe Summen aus, besonders wenn es um Beförderungen in die höheren Ränge geht. Sogar Beamte, die die von ihren Vorgesetzten festgelegten jährlichen Ziele erreichen und übertreffen, kommen nicht mehr weiter und Kollegen, die nach 12 Jahren eine Beförderung anfragen, erhalten nicht einmal eine Antwort, obwohl das Gesetz es eigentlich explizit vorsieht, dass ein Beamter eine begründete Antwort erhalten muss. Es wird nur noch nach dem Profit der Bank geschaut, nicht mehr nach den Menschen.“

Ein anderes Problem sei die Teilzeitarbeit, die nur noch ganz eingeschränkt bewilligt werde, wovon vor allem die Frauen betroffen seien. „Normalerweise konnte man mit einer Halbtagsstelle rechnen, bis das Kind in die Grundschule geht. Die Möglichkeiten des Gesetzes sind immer voll ausgeschöpft worden, dann wurden auf einmal im Sommer 2010 Quoten eingeführt. Die Leute wurden ganz überraschend vor einen fait accompli gesetzt und einige hatten massive Probleme, die Kinderbetreuung so kurzfristig vor dem Schuljahrsbeginn noch organisiert zu bekommen. Es gibt auch Angestellte, die das Ende ihres Berufslebens langsam auslaufen lassen möchten und auf 50% oder 75% reduzieren wollen.“ All dies sei bei der Sparkasse nicht möglich, obwohl Halbtagsstellen heute doch etwas Normales sein müssten, gab Georges Dennewald zu bedenken.

„Regierung muss auch endlich Farbe bekennen“

„Auf der anderen Seite haben wir Halbtagsangestellte, die wieder voll arbeiten wollen oder müssen, wie beispielsweise Frauen in einer Scheidung, die das Geld einfach brauchen. Sicher, es gibt Stellen, die sich für Halbtagsarbeit anbieten, andere eher nicht und das bringt Planung mit sich - genau diesen Organisationsaufwand möchte man aber nicht mehr machen. ‚Nein, keine Diskussion‘, hieß es von Seiten der Direktion. Und Herr Finck sagte uns: ‚Man kann nicht alles haben im Leben.‘

Mit dieser Einstellung widerspreche die Direktion sämtlichen politischen Bestrebungen der letzten Jahre, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und den Arbeitnehmern mehr Flexibilität zu ermöglichen. Bedenke man, dass im Direktionskomitee eine Frau sitzt, die auch Staatsrätin ist und die gesetzlichen Fortschritte hin zu mehr Flexibilität im Berufsleben genau kennen müsste, sei diese Praxis einfach unverständlich. „Es muss doch auch so etwas wie soziale Gerechtigkeit in Luxemburg geben, oder?“

In der Vergangenheit habe Luc Frieden als zuständiger Minister für die BCEE seine Hilfe zugesagt und vor einem Jahr nochmals bekräftigt, dass er mit der Direktion reden werde. „Wir sind diskrete Beamte, haben nicht die Tradition, uns lauthals bemerkbar zu machen. Wir sind aber jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir an die Öffentlichkeit gehen wollen – das erwarten unsere Mitglieder auch von uns. Die Regierung muss auch endlich Farbe bekennen und ihren Aussagen Taten folgen lassen im Interesse der 1.800 Sparkassenangestellten und deren Familien.“