Schulleitungen im Kampf gegen Drogenmissbrauch

„Wer sagt, es gebe kein Problem damit, der verschließt die Augen“, sagt der Direktor des „Lycée Technique du Centre“, Jean-Paul Lenertz im Gespräch mit dem „Journal“ zur Drogenproblematik an den Schulen. Wie Lenertz bestätigt, sind in der Umgebung des LTC auf Limpertsberg bei Putzarbeiten „viele Tütchen“ mit verdächtigem Inhalt gefunden worden, außerdem seien verdächtige Autos in der Umgegend observiert worden, deren Insassen möglicherweise versuchten, Rauschmittel an die Schüler zu verkaufen. Kontrollaktion? 

Die Lage werde nun gemeinsam mit den Autoritäten analysiert „um ein besseres Bild zu bekommen“, sagte Lenertz. Ob und welche Konsequenzen ins Auge gefasst werden - möglicherweise auch eine Kontrollaktion - werde sich danach ergeben. Systematische Präventivkontrollen würde man allerdings nicht planen, so der LTC-Direktor, mit den Hinweis dass regelmäßige Kontakte mit Polizei und Zoll bestehen um wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Es ist ein schwieriges Dossier“, unterstreicht der Leiter einer Schule, in der in der Ausbildung zum Teil auch gefährliche Maschinen zum Einsatz kommen. Wie andere Lyzeen auch verfügt das LTC über Speicheltests, die bei Verdachtsmomenten auf Drogeneinfluß zum Einsatz kommen könnten. „Bislang hat es noch nicht wirklich einen konkreten Fall gegeben“, so Lenertz. Auch bei unserer Nachfrage etwa im „Lycée Technique de Bonnevoie“ oder im Escher „Lycée Hubert Clement“ ergab sich dass man sich in diesen Schulen Gedanken zum Thema macht aber Verdachtsmomente „sich in Grenzen halten“.

„Es ist evident, dass die Lyzeen bei Verdacht auf Drogenkonsum Tests durchführen“, so die Sprecherin des Unterrichtsministeriums in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des „Journal“.

Generell wird zunächst das Gespräch mit dem Schüler und den Eltern gesucht.

Wie weit aber die Schulleitungen in Sachen Kontrolle gehen dürfen, diese Frage steht seit vergangener Woche im Rampenlicht der öffentlichen Diskussion. Bekanntlich hatte die Schulleitung der Ackerbauschule in Ettelbrück Kontrollen durchgeführt, nachdem Schüler ihre Besorgnis angemeldet hatten, dass einige Mitschüler regelmäßig „bekifft“ seien. Zwei Klassen waren daraufhin mittels Drogenschnelltests getestet worden. Die Tests seien in Absprache mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Eltern durchgeführt worden, hieß es. Das Ergebnis: 40% wiesen Drogenkonsum auf.

Die Angelegenheit schlug umgehend auch politische Wellen. Während „déi gréng“ forderten, das Thema in der kommenden Sitzung des parlamentarischen Bildungsausschusses auf die Tagesordnung zu setzen, richtete der DP-Abgeordnete André Bauler sich mit einer parlamentarischen Frage an Unterrichtsministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP), um zu ergründen, ob das Ministerium Bescheid weiß über den Drogenkonsum in den hiesigen Lyzeen.

Parlamentarische Dringlichkeitsanfrage zu den Drogentests im Ettelbrücker LTA

Gestern stellten die beiden DP-Abgeordneten André Bauler und Eugène Berger nun eine parlamentarische Dringlichkeitsanfrage. Sie hätten erfahren, dass die Leitung der Ackerbauschule in der Vergangenheit systematisch und ohne die Eltern der Schüler zu informieren, Drogentests durchgeführt habe, dass die Polizei gar mit Drogenhunden in der Schule kontrolliert habe.

Die beiden Deputierten wollen nun von der Unterrichtsministerin genau wissen, wie der rechtliche Rahmen für solche Aktionen aussieht und welche Personen diese durchführen können. Auch wollen sie erfahren ob Schüler zu solchen Drogentests gezwungen werden können und welche Konsequenzen ihnen bei Ablehnung der Tests drohen. Ob die Eltern von minderjährigen Schülern nicht informiert werden müssen vor solchen Tests und ob sie sie ablehnen können? Wie es um die Verantwortlichkeiten steht, wenn ein Unfall passiert durch einen Schüler der Drogen konsumiert hat? Das sind weitere Fragen auf die von der Ministerin klare Antworten gefordert werden. Die Gelegenheit solche zu liefern hat sie bereits heute bei einer Sitzung des parlamentarischen Bildungsausschuss. ‹