Exklusiv: „Journal“-Gespräch mit dem 2008 abgesetzten Generalstabschef. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen ...

Anfang November 2007 beschloss der Regierungsrat die Abberufung des damals seit 2002 amtierenden Chefs des Generalstabs der Armee, Colonel Nico Ries, der im Zuge des neuen Armeegesetzes fortan mittel- und langfristige Planungsaufgaben im Verteidigungsministerium übernehmen sollte. Die Abberufung eines Generalstabschefs ist ein ziemlich außergewöhnlicher Vorgang in der Armeegeschichte. Bis dahin war es nur einmal zu einer solchen Entscheidung gekommen („Affäre Colonel Winter“, 1966). Die Versetzung wurde gegen den Willen von Nico Ries beschlossen, der gegen die Entscheidung vor Gericht zog.

Minister in der Bredouille

Anfang Oktober 2010 entschied das Verfassungsgericht, dass die Versetzung verfassungswidrig sei. Am 16. Dezember 2010 dann kippte das Verwaltungsgericht die beiden „arrêtés grand-ducaux“, die Ries ins Verteidigungsministerium detachierten und den ehemaligen Kasernenkommandanten Gaston Reinig als Generalstabschef einsetzten. Ein Urteil, das Verteidigungsminister Jean-Marie Halsdorf (CSV) mächtig in die Bredouille brachte, wurde dadurch doch wieder theoretisch der „status quo ante“ hergestellt.

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 14. Januar 2011, ergingen zwei weitere großherzogliche Erlässe, die Ries wiederum als Planer im Verteidigungsministerium einsetzten und Reinig als Generalstabschef. Am 24. Januar 2011 trat der ehemalige Generalstabschef vor die Presse - auch ein außergewöhnlicher Vorgang -, um seine Sicht der Dinge darzulegen und anzukündigen, dass er auch gegen diese Erlässe juristisch vorgehen werde. Was hat sich seither getan?

Das „Journal“ hat bei Nico Ries (58), der zwischenzeitlich in den Ruhestand geschickt wurde, nachgehakt.