An engem Communiqué un d’Adress vun der LSAP huet den CSV-President Marc Spautz ënnert anerem e Regierungsremaniement duerchblécke gelooss.

Wat scho méi laang an der Schwief war, huet haut séier den Tour gemaach:en nächste Regierungswiessel zeechent sech of. Dat wier da schonn deen drëtte Remaniement bannent 30 Méint fir Blo-Rout-Gréng. Nach ass näischt definitiv decidéiert, ma déi éischt Schrëtt fir de Wiessel sinn entaméiert. Confirméiert ass, datt d'Regierung scho viru Wochen mam Henri Grethen geschwat huet, mat der Fro: wär hie bereet, President ze ginn vum Verwaltungsrot vun der Spuerkeess? Well et sech dobäi ëm eng sougenannte systemesch Bank handelt, brauch de Kandidat d'Autorisatioun vun der europäescher Zentralbank; déi Demande ass vun der Regierung erausgaangen, ma dat kann daueren. Sollt dat awer klappen wär seng Plaz op der europäescher Cour des comptes net kompatibel mam Mandat op der BCE, den Henri Grethen misst also d'Cour des comptes verloossen a fir déi Plaz hätt den Aarbechtsminister Nicolas Schmit Interessi. Dee Mann misst dann an der Regierung ersat ginn, an do gesäit déi sozialistesch feuille de route vir, datt de Romain Schneider géif neien Aarbechtsminister ginn; deem seng ablacklech Ressorten géifen da wéinstens zum Deel un d'Madame Francine Closener goen; si ass den Ament jo Staatssekretärin a géif zur Ministesch erhuewe ginn. Op deem Punkt schéngen et allerdéngs partei-intern nach déi eng oder aner Retizenz ze ginn, well, esou populär ass si an den Ëmfroen bekanntlech net.

Domatter hätt de Bezierk Osten bei der LSAP kee Member méi an der Regierung; fir deen Equiliber nees hierzestellen, kéim d'Tess Burton nei an d'Regierung, an zwar als Staatssekretärin. Ass dat de Fall, géif de Ben Scheuer an d'Chamber noréckelen, hätt also Geleeënheet, sech bis déi nächst Walen besser ze positionéieren.

Et handelt sech hei ëm Informatiounen, déi Radio Lëtzebuerg confirméiert krut aus demokrateschen wéi och sozialistesche Kreesser; de Vizepremier Etienne Schneider huet et och alles aneschters wéi dementéiert, huet just gemengt, den Nicolas Schmit wier scho méi laang un engem europäesche Posten interesséiert. Wann also de Mandat vum Henri Grethen op der Cour des comptes tatsächlech géing fräi ginn, wier de Regierungsremaniement definitiv e Sujet.

U sech ass geplangt- an do si mir nees beim Spekulativen- datt an den nächste Wochen mat der Äntwert gerechent gëtt vun der europäescher Zentralbank an da kéint dëse Regierungswiessel nach virun der grousser Vakanz gemaach ginn. D'Plaz fir d'Presidence vun der Spuerkeess ze iwwerhuelen, gëtt am September fräi. Politesch gewonnen huet bei deem Ganzen elo schonn d'CSV: hire Parteipresident huet de Moien duerch e Communiqué d'Rumeur an d'Welt gesat, eng Rumeur, déi sech séier confirméiert huet; domatter ass den Aarbechtsminister ugeschloen.

Schreiwes vum Donneschdeg, 30. Juni 2016

Offener Brief an den CSV-Präsidenten Marc Spautz
Werte CSV, es fröstelt mich!

Dass sich die Christlich-sozialen seit geraumer Zeit verstärkt mit der Frage des Spitzenkandidaten für die Parlamentswahlen in zwei Jahren beschäftigen, ist Sache der CSV. Ob es dabei auch um die inhaltliche Positionierung der Partei geht, steht auf einem anderen Blatt. Neben Vize-Präsidentin Martine Hansen haben auch EU-Abgeordnete Viviane Reding, Fraktionschef Claude Wiseler und Ex-Finanzminister Luc Frieden Interesse bekundet, die CSV in die Wahlen 2018 zu führen.

Insbesondere der Politikaussteiger Luc Frieden hat am vergangenen Wochenende in der RTL-Sendung Background noch einmal bekräftigt, dass er in die Politik zurück will und seiner Partei als Spitzenkandidat zur Verfügung steht, wenn das so gewollt sein sollte. Luxemburg und Europa stünden vor großen Herausforderungen, so Frieden, der seine Überlegungen über ein Geschäftsmodell für unseren Kontinent erst vor kurzem in seiner Publikation Europa 5.0 veröffentlich hat.

Frieden wünscht sich eigenen Aussagen zufolge ein starkes Leadership und macht sich Gedanken darüber, wo das kleine Land im Herzen Europas hinsteuert. „Wir sind gut, was das Kurzfristige angeht, aber ich habe Angst, dass wir nicht sehen, wo es langfristig hingehen soll."

Dass Frieden klare Vorstellungen im Hinblick auf Mindestlohn, Renteneintrittsalter und Arbeitsrecht hat, konnten die RTL-Zuhörer mitverfolgen. Ob die Bürgerinnen und Bürger in Luxemburg das auch so sehen, bleibt abzuwarten. U.a. hatte Frieden mit Blick auf die Entwicklung in Europa angedeutet, dass der soziale Mindestlohn gut sei, doch nicht jeder sollte Anrecht darauf haben. Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation müssten erst zeigen, dass sie diesen verdient hätten. Gleichzeitig gab Frieden zu bedenken, dass der Wohlstand in Europa nicht breit genug verteilt und das Wachstum zu niedrig sei. Angesichts Millionen Arbeitsloser müssten alle Aspekte berücksichtigt werden. Der Kündigungsschutz sei zu hoch, moniert Frieden. Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen seien zwar gut gemeint, aber kontraproduktiv, da sie dazu führten, dass weniger neue Arbeitnehmer eingestellt würden. Arbeitnehmer mit geringer Produktivität könnten nur schwer entlassen und durch andere, fleißigere ersetzt werden, betont Frieden, der sich einen dynamischeren und durchlässigeren Arbeitsmarkt wünscht. In England sei es relativ leicht, eine Arbeit zu finden. Dort gebe es eine Vielzahl kleiner Jobs, die es erlaubten, sich hochzuarbeiten. Auch Friedens Vorschläge zur Rentenabsicherung passen in dieses Bild. Neben der Heraufsetzung des Renteneintrittsalters plädiert der potenzielle Spitzenkandidat der CSV für ein Stufenmodell, das neben einer staatlich garantieren Basisrente die betriebliche Altersversorgung und private Zusatzversicherungen vorsieht.
Luc Frieden scheint in seinem zweijährigen Exil auf der Insel einiges gelernt zu haben. Dass er nun ausgerechnet den Brexit-Staat Großbritannien als Vorbild bemüht, um die Zukunft Luxemburgs in einem neu definierten Europa längerfristig abzusichern, kann man sicherlich als Ironie der Geschichte werten. Ob die CSV im Hinblick auf die Parlamentswahlen 2018 sich auf dieses gefährliche Spiel einlässt, ihrem neo-liberalen Vordenker Frieden folgt und der Sozialpolitik den Rücken kehrt, bleibt abzuwarten. Offen bleibt auch, wie sich die anderen potenziellen Spitzenkandidaten der CSV diesbezüglich positionieren werden.

Anders als die CSV, die eine Neuorientierung anzustreben scheint, bleibt die LSAP ihrer Linie treu: Sozialpolitik genießt oberste Priorität. Der soziale Mindestlohn, geltendes Arbeitsrecht und das Luxemburger Rentensystem sind wesentliche Bestandteile unseres Sozialsystems und als solche Garant für sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Klar für die LSAP ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Europäische Union nach dem Brexit nur dann eine Chance hat, wenn sie auf die Bürgerinnen und Bürger zugeht, deren Interessen wahrnimmt und die soziale Integration konsequent vorantreibt.

Vom CSV-Präsidenten erwarte ich, dass er klarstellt, ob die Aussagen eines potenziellen CSV-Spitzenkandidaten von der Partei geteilt werden oder nicht. Befürwortet die CSV, wie von Frieden angedeutet, ein späteres Renteneintrittsalter, prekäre Arbeitsbedingungen und ein Mindestlohn, der sich an der Leistung orientiert?

Herr Spautz, eine eindeutige Antwort tut not!

Claude Haagen
LSAP-Präsident

Reaktioun vum CSV-Parteipresident Marc Spautz um Freideg, 1. Juli 2016
Offener Brief an den LSAP-Präsidenten Claude Haagen

A bon entendeur, salut!

Es ist sehr überraschend festzustellen, dass sich der LSAP-Parteipräsident Sorgen um die inhaltliche Positionierung der CSV macht. Er sei beruhigt: Die CSV ist und bleibt ihrer sozial-politischen Linie und ihren sozialen politischen Überzeugungen treu, unabhängig davon, wen der CSV-Nationalrat am kommenden Montag als nationalen Spitzenkandidaten vorschlägt.

Dass die CSV ihren sozialen Werten treu bleibt, hat sie nicht zuletzt am Mittwoch bewiesen, als sie die Kindergeldreform, eine durch und durch ungerechte Maßnahme, ablehnte. Das, im Gegensatz zur LSAP, die auch diese unsoziale Familienpolitik mitträgt, so wie sie widerstandslos auch die ersatzlose Abschaffung der Mutterschafts- und Erziehungszulagen, die zum 1. Januar 2015 eingeführte Zusatzsteuer in Höhe von 0,5 %, sowie das sozial unausgewogene Sparpaket mittrug.

Es ist traurig, mitanzusehen wie die LSAP, die während Jahrzehnten gemeinsam mit der CSV ein sicheres und vorbildliches Sozialnetz aufgebaut hat in der aktuellen Koalition widerspruchslos jede Kröte schluckt und die soziale Kehrtwende vollzieht. Die LSAP war einmal eine Partei mit einem feinen sozialen Gespür, heute ist sie Wahlverein für kalt berechnende Politopportunisten.

Wir wünschen der LSAP, dass sie wieder zu ihren sozialen Wurzeln zurückfindet und dass sie die sich anbahnende Regierungsumbildung mit einem amtsmüden Arbeitsminister gut über die Bühne bekommt.

Marc Spautz

CSV-Parteipräsident