Im Rahmen der Forschungsförderung durch die Fondation Cancer haben Stiftungspräsident Dr. Carlo Bock und Geschäftsführerin Lucienne Thommes den Forscherinnen Prof. Simone Niclou (PhD) und Virginie Neirinckx (PhD) vom Luxembourg Institute of Health (LIH) in Anwesenheit von LIH-Direktor Ulf Nehrbass (PhD) einen Scheck über 138.000 € überreicht.

Fondation Cancer unterstützt Forschungsprojekt

Ein Protein, das das Wachstum von Glioblastomen hemmen kann

Im Rahmen der Forschungsförderung durch die Fondation Cancer haben Stiftungspräsident Dr. Carlo Bock und Geschäftsführerin Lucienne Thommes den Forscherinnen Prof. Simone Niclou (PhD) und Virginie Neirinckx (PhD) vom Luxembourg Institute of Health (LIH) in Anwesenheit von LIH-Direktor Ulf Nehrbass (PhD) einen Scheck über 138.000 € überreicht. Ziel ihres Forschungsvorhabens mit dem Titel Soluble LRIG1 for pan-Receptor Tyrosine Kinase targeting in glioblastoma ist die Untersuchung eines Proteins, das das Wachstum von Glioblastomen hemmen kann.

Hirntumoren machen rund 2% aller Krebserkrankungen aus, und ihre Behandlung ist bis heute eine klinische Herausforderung. Aufgrund der komplexen Biologie der Krebszellen und der Vielschichtigkeit des menschlichen Nervensystems sind die therapeutischen Optionen sehr eingeschränkt.

Unter den Hirntumoren bilden Glioblastome die häufigste und aggressivste Form und können mit den gegenwärtigen Therapien nicht wirksam behandelt werden. Nachdem in den vergangenen Jahren viele bedeutende Fortschritte bei der Erforschung der biologischen und molekularen Merkmale von Glioblastomen erzielt werden konnten, ist es nun notwendig, auf dieser Grundlage neue therapeutische Konzepte zu entwickeln.

Im Rahmen von präklinischen Studien wurde bereits eine Vielzahl von therapeutisch einsetzbaren Molekülen identifiziert. Die meisten jedoch erwiesen sich in der Erprobung am Patienten als unwirksam. Dies liegt unter anderem daran, dass die Zellen des Glioblastoms sich nicht auf einen bestimmten Bereich beschränken, sondern sich in verschiedene Hirnregionen ausbreiten, was ihre Lokalisation und gezielte Behandlung im Rahmen einer Therapie massiv erschwert. Gelingt es dennoch, die Zellen des Glioblastoms im Rahmen einer Behandlung gezielt zu erreichen, können sie aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit Überlebensstrategien entwickeln, mit denen sie resistent gegen die Therapie werden. So kommt es trotz der Anwendung klassischer Therapien regelmäßig zur neuerlichen Bildung von Tumoren (Rezidive).

Unter den verschiedenen Forschungsansätzen zielt das Forschungsvorhaben Pan-RTK targeting auf die Hemmung von Rezeptor-Tyrosinkinasen (RYK) ab, die für die Vorgänge in den Zellen des Glioblastoms von zentraler Bedeutung sind. Rezeptor-Tyrosinkinasen spielen für die Teilung und das Wachstum von Krebszellen eine wichtige Rolle und werden schon seit vielen Jahre erforscht. Während Moleküle, die gezielt an diese Rezeptoren andocken, bereits in standardisierten Behandlungsverfahren bei Brust- oder Lungenkrebs angewendet werden, war ihr Einsatz bei Glioblastom-Patient*innen bis dato noch nicht erfolgreich. Da die therapeutischen Moleküle nur unter Schwierigkeiten ins Gehirn gelangen, erreichen sie den Tumor nicht, verursachen Nebenwirkungen und führen regelmäßig zur Bildung von Resistenzen.

Weiterhin wird die gezielte Hemmung der Rezeptor-Tyrosinkinasen dadurch erschwert, dass diese Rezeptoren niemals allein agieren. So können verschiedene Rezeptoren zusammen oder gegeneinander agieren. Außerdem kann durch das Andocken eines Inhibitors an einen Rezeptor ein anderer, bis dahin inaktiver Rezeptor aktiviert werden, um die verminderte Aktivität des anderen auszugleichen. Diese Interaktionen zwischen den verschiedenen Rezeptor-Tyrosinkinasen erschweren den Einsatz von Therapien zur Minderung ihrer Aktivität erheblich.

Bei dem vorliegenden Projekt hat sich das Forschungsteam von Prof. Dr. Niclou zunächst auf das Molekül sLRIG1 (soluble Leucine-rich repeats and immunoglobulin-like domains 1) konzentriert, das als wirkungsvoller Hemmer für Rezeptor-Tyrosinkinasen bekannt ist. Die ersten Forschungsergebnisse wurden 2013 veröffentlicht. Sie zeigten, dass der Einsatz von sLRIG1 im Mausmodell das Tumorwachstum stark hemmt (Johansson et al. 2013, Neuro-Oncology). Im Anschluss konnte nachgewiesen werden, dass das Protein sLRIG1 die Rezeptoren nicht isoliert ansteuert, sondern die Aktivität mehrerer Rezeptor-Tyrosinkinasen gleichzeitig hemmt. Die Tatsache, dass sLRIG1 auf mehrere Rezeptor-Tyrosinkinasen gleichzeitig wirkt, ist insbesondere im Kontext therapeutischer Resistenzen von entscheidender Bedeutung.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Fondation Cancer können die Erkenntnisse über das Molekül sLRIG1 und seine Wirkmechanismen im weiteren Verlauf des Forschungsvorhabens vertieft werden, um eine zielgerichtete Therapie auf der Grundlage von sLRIG1 zu entwickeln, die dann im Anschluss im Rahmen klinischer Studien erprobt werden kann.