
Die Pläne für eine digitale Pkw-Maut in Belgien ab Mai 2027 sind ein Schlag ins Gesicht für alle Einwohner der Grenzregion, besonders im Ösling. Wo bleibt hier bitteschön der europäische Gedanke und das Versprechen von Schengen?
Es ist ein unhaltbares wirtschaftliches Ungleichgewicht: Jeden Tag rollen Zehntausende belgische Grenzgänger mit ihren bekannten „roten Nummern“ völlig kostenlos über unsere luxemburgischen Straßen. Sie nutzen unsere Infrastruktur, tanken hier billig Benzin und Diesel und treten nicht selten ordentlich aufs Gas. Wenn wir Luxemburger im Gegenzug nur für ein paar Kilometer über die Grenze nach Bastogne oder St. Vith fahren wollen, um einzukaufen, werden wir ab dem ersten Meter auf den Nationalstraßen von Kameras erfasst und zur Kasse gebeten.
Dass die wallonische Regierung ihre eigenen Bürger im gleichen Atemzug über die Kfz-Steuer entlasten will, zeigt die ganze Scheinheiligkeit dieses Systems. Hier wird eine europäische Grauzone schamlos ausgenutzt. Wenn Brüssel bei dieser offensichtlichen Diskriminierung von EU-Ausländern wegschaut, darf man sich nicht wundern, dass die Europa-Begeisterung bei den Bürgern komplett im Keller ist.
Unsere Regierung und der ACL müssen hier alle juristischen Hebel in Bewegung setzen. Wenn Belgien diese Maut nicht stoppt oder zumindest einen mautfreien Grenzkorridor einrichtet, sollte Luxemburg das Prinzip der Gegenseitigkeit anwenden und ebenfalls eine Vignette für ausländische Kennzeichen einführen. Das grenzenlose Europa darf keine Einbahnstraße sein, bei der Luxemburg am Ende immer die Zeche zahlt!
Ein enttäuschter Autofahrer aus dem Ösling.
Pol Sassel