Lieserbréif vum Georges SchranzVelodrom Mondorf! - Ende gut, alles gut?

RTL Lëtzebuerg
Das Velodrom in Mondorf macht allerseits wieder Schlagzeilen!

Nicht ausschließlich aber wiederum wegen der Kosten: 54,6 Millionen Euro allein für das Velodrom und rund 115 Millionen Euro für den Gesamtkomplex. Eine Summe, bei der man Fragen stellen darf, ja stellen muss.

Die Idee einer nationalen Radrennbahn ist nicht neu. Unter der Regierung J-Cl. Juncker, bereits vor 20 Jahren versprochen, wurde stets darauf hingewiesen: Luxemburg hat weltweit, hauptsächlich im Radsport, mit monumentalen Ergebnissen, TDF, Giro und Weltmeisterschaften, dem Ländchen internationale Verdienste beschert, jedoch über Infrastrukturen in der Form eines Velodroms, wurde nie wirklich diskutiert!

In endlosen Debatten wurde der Bau einer Radrennbahn, immer wieder, mit Standortfragen und viel zu hoher Kosten, von Jahr zu Jahr zurückgestellt!

Damals war die Idee eines Velodroms nicht nur ein sportliches Projekt, welches auf dem Terrain der Müllkippe in Zessingen errichtet werden sollte sondern zudem - symbolisch und gegenständlich, betreff „Dreckstip“- mit dem ganzen „Müll“ in der Bommeleeër-Affair’ verbunden! In diesem Kontext drohte ein selbsternannter „Bommeleeër“: „Sollt e Velodrom je gebaut ginn, da ginn ech erëm aktiv a sprengen en an d'Luucht!“ Ein anderer veröffentlichte ein Bild von Jos Kutter „de Cycliste“ mit dem Kommentar: dicke Muskelpakete, kleines Gehirn. Und, Dümmer geht nimmer: „D‘Papageien vun der Strooss!“

Seit 2006 wurde viel angekündigt, viel diskutiert, viel versprochen aber jahrelang ist nichts passiert!

Gegenwärtig sieht das Bild ganz anders aus: Bei einer Investition von über 100 Millionen Euro, geht der Bau des größten längst überfälligen Sportkomplexes voran und eines der teuersten Sport-Infrastrukturprojekte des Landes wird Realität!

Und dennoch, in der Zwischenzeit haben Generationen von Radrennfahrern ihre sportliche Laufbahn längst abgeschlossen ohne jemals von solcherlei Infrastrukturen profitiert zu haben! Diesbezüglich bleiben mehrere berechtigte Fragen: Warum hat es solange gedauert? Wie sind diese hohen Kosten entstanden? Was genau ist geplant, was genau wird gebaut? Wie sieht der Zeitplan aus? Und, nicht unerheblich: Wie hoch sind die späteren Unterhaltskosten? Und vor allem: Wer darf das Velodrom nutzen? Wird es eine echte nationale Trainings- und Ausbildungsstätte für Vereine, Schulen, Jugend, Breiten- und Spitzensport? Oder, eine imposante Halle, die der normale Radfahrer nur von außen bewundern darf?

Ende gut, alles gut? Nach Jahrzehnten des Wartens hat der Luxemburger Radsport ein Velodrom redlich verdient. Richtig konzipiert und breit genutzt ist es keine Prestigehalle, sondern eine Investition in unsere Jugend, in den Sport, in die Sicherheit und die Zukunft.

Aber auch die Steuerzahler haben etwas verdient: Transparenz.
In diesem Zusammenhang sei ein Vergleich erlaubt: Das Stade de Luxembourg - wo „nur“ Fußball gespielt wird bzw. gespielt werden kann - war mit 35 Mio. Euro veranschlagt, am Ende waren es 76,6 Mio. - also mehr als das Doppelte. Beim Fußball wird das widerspruchslos hingenommen. Beim Radsport, für den seit jeher andere Massstäbe gelten, wird jeder Euro zum Politikum.
Im Vergleich des finanziellen Verdienstes und der diesbezüglichen Leistung im Fussball gegenüber dem Radsport, erübrigt sich die Frage nach dem Maßstab von selbst!

Fazit: Zu Ehren von Lucien „Lull“ Gillen (1928-2010), 18-facher Landesmeister, Vize-Weltmeister 1949, zehnfacher Sechstagesieger und jahrzehntelanger Verfechter einer überdachten Bahn in Luxemburg, sollte ein Projekt dieser Größenordnung nur einen Namen tragen:
VELODROME LULL GILLEN!

Georges Schranz,

Stroossen

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