Fünf Finger hab’ ich an der Hand, gib sie mir, wir sind bekannt…

Aristoteles unterschied fünf Sinne des Menschen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Zu den Grundlagen des Islam gehören die Fünf Säulen. Muslime verrichten fünfmal am Tag das Gebet. Im Christentum sind die Fünf Merkmale Christi Gegenstand der Andacht und der Verehrung. Die positivste Fünf ist wohl die Fünf als Zahl der Liebe. Fünf - die unteilbare Summe der männlichen Zahl drei und der weiblichen Zahl zwei – die Zahl der Liebesgöttin Venus. Im Sinne dieses Beitrages allerdings soll die Fünf als Zahl mit besonderer Bedeutung in der chinesischen Zahlensymbolik dienen.  Da die Vier in chinesischer Tradition als schlechte Zahl gilt, gibt es außer den vier Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen noch eine fünfte, nämlich senkrecht nach oben.

Und genau in dieser Himmelsrichtung in chinesischer Interpretation wird unsere hier thematisierte  Fünf von den Mutigen, die in diversen Fotos, die heuer um den Globus gehen, selbstsicher und energisch eingesetzt – die mutigen Demonstranten in Hongkong. Genauer ihr mutiger Kampf gegen Pekings Justizwillkür und das Ende des Autonomiestatus‘ der Sonderverwaltungszone, gegen Chinas „Sicherheitsgesetz“. Nur: Wie lange gibt es noch Mutige in Hongkong, die sich wehren und massiv demonstrieren? Ein Gesetz, das den chinesischen Autoritäten weitreichende Vollmachten gibt, um im bisher juristisch von Festlandchina unabhängigen Hongkong gegen Regierungskritiker vorzugehen, soll die Mutigen jedenfalls entmutigen – eine weitere  von der Volksrepublik bestens gepflegte (Un-)Kultur der Menschenrechtsverletzungen, eine Praxis, die allerdings von sämtlichen EU-Politprotagonisten tunlichst ignoriert wird. Als Großbritannien seine Kronkolonie 1997 an China zurückgab, waren Hongkong Freiheitsrechte und Autonomie garantiert worden. Doch damit ist endgültig Schluss: das sogenannte „Sicherheitsgesetz“ ermöglicht es den chinesischen Behörden nun, in der Sonderverwaltungszone eigenmächtig zu ermitteln und Rechtshoheit auszuüben, vulgo: hart zu bestrafen. Eine Spezialität der Chinesen, siehe die intensiv praktizierte Todesstrafe! Subversion, Abspaltung, Terrorismus, sowie Konspiration mit ausländischen Kräften, die die nationale Sicherheit gefährden – das ist Pekings Strafregister für Hongkong. Als Höchststrafe droht lebenslängliche Haft – ein wahrlich drakonisches Strafprogramm gegen die mutige Demokratiebewegung Hongkongs. Demokratie als Staatsverbrechen, das ist Chinas Einstellung als „Volksrepublik“, doch der Westen katzbuckelt!

Repression als Regierungsstil – in China bekanntlich Programm. Auch Corona hat bisher nichts am Willen der Mutigen geändert, im Gegenteil: sie demonstrieren mit hochgehaltener Hand – die magische Fünf, wie in der Mathematik die Kraft der Fünf, demonstrativ nutzend. Die fünf Finger einer  Hand stehen für ihre fünf Forderungen, von denen sie – und daher (man sehe sich die imposanten Bilder der Protestierenden an) der eine Finger der anderen Hand in der fünften Himmelsrichtung hochgehalten  - nicht eine einzige aufzugeben bereit sind: 1. Keine Auslieferung nach China; 2. Eine Untersuchung zur Polizeigewalt; 3. Ein neues Wahlrecht; 4. Die Freilassung festgenommener Demonstranten und 5. Die Proteste vom Juni 2019 dürfen nicht mehr als „Unruhen“ bezeichnet werden.

Wird man die „Fünf Hongkongs“ in Peking respektieren? …oder ist es nicht doch eher so, dass dieser Fünf Gehör zu schenken, nie unwahrscheinlicher zu sein scheint? Dazu wäre jedenfalls ein heuer vielzitiertes, dezidiertes „Merde alors“ von Seiten der EU an die Adresse Pekings angesagt.

Doch von Chinas Führung so etwas wie Einsicht zu erwarten ist wahrlich eine pure Utopie…

Frank Bertemes