... bietet aber schon jetzt Null Qualität, Null Sicherheit, Null Service und Zufriedenheit !

Seit dem Antrittsbesuch von der frischgewählten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ihrer offen ausgesprochenen Begeisterung für den geplanten kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr, spukt es wieder von unverifizierter Selbstzufriedenheit über das hochgesteckte Versprechen des kostenlosen Transport public mit weltweiter "Vorbildfunktion" :

Die Ankündigung der Regierung, den öffentlichen Transport gratis zu machen, brachte Luxemburg Ende 2018 weltweit in die Schlagzeilen. Luxemburg wird das erste Land der Welt, in dem Bus- und Bahnfahrten ab dem 1. März 2020 kostenlos sein werden.

Aber wie sieht die tagtägliche Wirklichkeit schon vor diesem ernsthaft bedenklichen Stichtag aus ?  In den wohlbekannten Hauptverkehrszeiten werden nach wie vor auf den zählbaren Hauptachsen im Zug- und Busverkehr weiterhin nur unzureichend Transportmittel angeboten, begleitet von zahlreichen Ausfällen ohne Ersatzangebot, und einer Stimmung, die unter denjenigen, die jeden Tag schon jetzt den öffentlichen Nahverkehr nutzen, immer schlechter und frustierter wird, je näher man an den hochgelobten Tag X herankommt.

Viel Polemik über zusätzliche Parkplätze an den Zug- und Busbahnhöfen täuscht nicht hinweg, dass die zu lösenden Probleme einfach zu gross sind, als dass ernsthaft ab dem 1. März 2020 mit vernünftigen Verhältnissen zu rechnen wäre. Hier geht es um das Gesamtkonzept, was nicht stimmt, und was scheinbar denjenigen, die entscheiden, so fremd und unbekannt ist, dass es eigentlich sie sein sollten, die mit uns in den übervollen Bussen fahren, sich in bereits überlastete Züge quetschen und neben uns stehen sollten, und mit uns nicht schlecht staunen, wenn unmittelbar vor der Abfahrt des nächsten Zuges es mal wieder (schwer verständlich) durch den Lautsprecher raschelt : Le train a été supprimé.

Jeder Mensch weiss, was das für den nächsten Zug, den nächsten Bus bedeutet - und natürlich auch für die Anschlussbusse, die dann gleich zweimal soviel Personen mitnehmen müssen, ohne dass auf die neue Situation irgendwie reagiert wurde und ein Zusatzbus mobilisiert wurde. Ähnlich armselig läuft es ab, wenn ein Zubringerbus oder ein Zug mit Busanschlüssen nur wenige Minuten verspätet ankommt - kein Zug bzw. Bus würde auch nur 5 Minuten warten, obwohl in den Planungsbüros von Transportministerium und CFL die Verbindungen so konzipiert wurden, dass wir Pendler auch weiterreisen können sollten. Dann scheitert es aber an jenen 5 Minuten, die in anderen Situationen um ein Vielfaches uns zugemutet werden, bevor die famose Nachricht kommt, dass der Bus oder der Zug mal wieder ersatzlos gestrichen wurde !

Bedenkt man dann noch, dass wir in unserem Land noch gut ausgestattet sind mit modernen Bussen, mit noch nicht allzu altem Zugmaterial und einer brauchbaren Kommunikationstechnik, dann verstehen wir Pendler noch weniger, warum wir schon jetzt mit Null Qualität, Null Sicherheit, Null Service und Zufriedenheit jeden Tag konfrontiert werden - ohne dass der 1. März 2020 als zusätzlicher Belastungsaspekt noch dazukommt...

Bevor man sich also europaweit, sogar in der ganzen Welt loben lassen will als fortschrittlichstes Land in puncto kostenlosem öffentlichen Personennahverkehr, sollten diejenigen Verantwortlichen, die darüber entschieden haben, entweder ihre Hausaufgaben besser schon jetzt machen, oder das ganze Projekt noch einmal in Ruhe überlegen und dann uns Pendlern zumuten, denn die wenigsten von diesen Entscheidungsträgern stehen in unseren überfüllten Bussen und Zügen neben uns eingeklemmt und hören sich an, wie das sichtlich gereizte Bus- und Zugpersonal rumbrüllt : dajée, da réckelt nach méi nohannen, soss fuere mir net !

Frank-Florian HILKHUIJSEN