Von der Wiege der Menschheit an hat es bis Anfang des 19. Jahrhunderts gedauert, bis eine Milliarde Menschen unseren Planeten bewohnten.

123 Jahre später waren es 2 Milliarden, und dann ging es mit dem Zuwachs ganz schnell. Die Zeitabstände bis zur nächsten Milliardenhürde wurden immer kürzer, sodass sich die Weltbevölkerung innerhalb des letzten Jahrhunderts vervierfachte. Wenn man die Zuwachsrate der letzten 3 Jahrzehnte mit dem gleichbleibenden Rhythmus weiterführt, dann kommt man für das Jahr 2100 auf über 14 Milliarden (siehe Grafik), rein rechnerisch aber eher auf 16-17 Milliarden, also mehr als das Doppelte von heute.

Die UNO rechnet bis Mitte dieses Jahrhunderts mit 9,7 Milliarden, was ungefähr der vorher angeführten Entwicklung entspricht. Dann aber, erstaunlicherweise, setzt sie für die zweite Hälfte des Jahrhunderts auf ein gebremstes Wachstum und prognostiziert 10,9 Milliarden für 2100 mit der Begründung, dass die Fertilitätsrate von aktuell 2,5 Kindern pro Frau auf unter 2,1 (Status quo-Rate) gesunken sein wird. Das scheint mir eine kühne Hypothese zu sein. Was erschreckend an der beigefügten Grafik ist, ist die steil ins Unendliche hinausschießende Entwicklungskurve. Sie spricht für sich, weil sie nach oben offen erscheint, und so zu Schlagwörtern wie «Bevölkerungsexplosion» verleitet und zur Aufforderung zum Handeln aufruft.

Jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um ca. 220 000 Menschen, die allermeisten davon in Afrika und Asien, und durch diverse Berechnungen wie viele Menschen pro Zeiteinheit hinzukommen (z.B. 150 pro Minute) wird diese ungeheure Wachstumsdynamik sinnlich begreifbar gemacht und suggeriert die Schlussfolgerung: So kann es nicht weitergehen, es muss unbedingt regulierend eingegriffen werden. Es geht die Rede von Toleranzschwellen, Grenzwerten, dem noch Möglichen, dem noch Zulässigen, dem noch Erträglichen… Hier muss ganz gut aufgepasst werden, dass die aktuelle rasante Entwicklung nicht als zentrale Ursache für alle drängenden Probleme der Welt missbraucht wird, wie das im Moment in der Klimadebatte leider für alle möglichen Wetterereignisse der Fall ist. Die Sache muss mit kühlem Kopf angegangen werden, aber es ist höchste Eisenbahn.

Um eine angemessene Bevölkerungsdichte einer Art zu gewährleisten, hat die Evolution vielfältige Strategien entwickelt. Beim Frosch z.B. hat die Natur folgende Regelung getroffen: Weil nur einige wenige Kaulquappen eine Chance haben, erwachsen zu werden, legen die Weibchen um die 3 500 Eier, denn wenn alle überleben würden, würden wir schon längstens (rein rechnerisch natürlich) in  einer dicken Schicht von Fröschen auf dem ganzen Globus herumwaten.  Ein ähnliches Schicksal, wenn auch aus einem anderen Grunde, würde dem Menschen blühen (immer noch rein hypothetisch), in ferner Zukunft, wenn jedem Erdenbürger nur noch ein Stehplatz zur Verfügung übrig bliebe. Trotzdem kann man heute schon einen Vorboten dieser verrückten Situation in Hongkong beobachten. Dort leben 100 000 Menschen auf einem Quadratkilometer Wohnfläche, 30 Mieter auf 60 Quadratmetern in Sargwohnungen, und vierköpfige Familien in Käfighaltung auf sage und schreibe 4 Quadratmetern Privatfläche, und das alles zu wahnwitzigen Mietpreisen. Und nichts geschieht. Der Mensch muss weltweit selbst  die Regelung treffen, und das funktioniert nur entweder mit Verstand und Vernunft oder mit Gewalt, jedenfalls nicht mit egal welchen optimistischen Rechenkünsten.

Moralisch gesehen, ist die Anwendung von Gewalt in diesem Kontext absolut verwerflich, und es muss alles unternommen werden, dass es niemals so weit kommt. Damit aber diese Lösung nie auch nur in Erwägung gezogen werden kann, muss die Vernunft unverzüglich zum Einsatz kommen, und die dementsprechende Lösung lautet: Vorbeugen ist besser als heilen, was nichts anderes als Geburtenregelung heiβt. Klarer ausgedrückt: Eine angemessene Kinderzahl pro Familie, und zwar ab sofort, denn selbst bei einer Vollbremsung werden die Auswirkungen auf sich warten lassen. In der heutigen schon bedrohlichen Situation würde die Zahl Zwei sich aufdrängen, die selbstverständlich als Durchschnittszahl zu verstehen wäre. Später könnte sie dann angepasst werden. Dieses Unterfangen darf auf keinen Fall nach chinesischem Vorbild angegangen werden, sondern mit einer Famlienplanung, die das Ziel der Absenkung der Geburtenrate verfolgt. Dieses Ziel muss durch weltweite Aufklärung erreicht werden, frei von Rassismus, Sexismus und Klassendenken.

Die UNO müsste unbedingt die Bekämpfung der förmlich aus dem Ruder laufenden Demografie ganz oben auf ihre Agenda setzen, anstatt die künstlich aufgebauschte Klimahysterie voranzutreiben. Andernfalls werden den kommenden Generationen die fatalen Folgen der aktuellen Versäumnisse regelrecht aufgehalst. Leben heiβt nicht hirnloses Vermehren, wie das leider in einem wachsenden religiös geprägten Kulturraum der Fall ist, sondern kontrollierte Daseinsform mit Sinn und Verstand, sonst droht die Vernichtung der eigenen Lebensgrundlagen. Schon heute betreibt China, mit fast 20% der Weltbevölkerung, aber nur 7% der Agrarflächen, Agrarkolonialismus. Das ist besonders in Afrika der Fall, ein Kontinent für den die UNO 4 Milliarden Einwohner für das Jahr 2100 prognostiziert. Das wäre mehr als das Dreifache von heute. Wie soll das denn funktionieren? In Indien, das dabei ist, China zahlenmäßig zu überholen, sind sämtliche Verhütungsmittel total verpönt.

Diese Umstände, nur einige unter vielen, gekoppelt mit mangelnder Aufklärung, sinkender Kindersterblichkeit, steigender Lebenserwartung und der Tatsache, dass bei vielen Völkern die Kinderschar noch immer die beste Existenzsicherung darstellt, lassen berechtigte Zweifel an den optimistischen Prognosen der UNO aufkommen. Was Promiskuität alles bewirken wird bis hin zu Völkerwanderung und Krieg, was das Zubetonieren alles an Katastrophen anrichten wird, wie es mit der Zumüllung des Planeten weitergehen wird, wie der Verkehr zum Stillstand kommen wird und die Luftverpestung unerträglich werden wird, wie sich die jetzt schon alarmierende Wasserknappheit zuspitzen wird, wie die Agrarprodukte geteilt werden müssen, was die jetzt schon drastisch überfischten Ozeane noch liefern werden… das soll jeder sich selbst vor Augen führen. Denn eines ist sicher: Das, was unser jetzt schon überstrapazierter Planet an Ressourcen hergibt, steht nur einmal zur Verfügung. Noch ist es Zeit, diese voraussichtlichen Probleme zu begrenzen oder zu lösen, aber die Zeit, die verstreicht, bis der Groschen fällt, mindert die Aussichten auf Erfolg, und in der «Humanökologie» (Verschränkung von Bevölkerung, Ressourcen und Umwelt), werden sicherlich keine goldenen Seiten geschrieben werden, wenn die Problematik nicht ernst genommen wird und nicht unverzüglich gegengesteuert wird. Das sind wir denen, die nach uns kommen, aber schuldig.

Dr. Henri Hosch / Capellen