
Pünktlich zu Neujahr liegt der erste Schnee, wenn auch nur wenige Millimeter. Beim Lüften heute Morgen atme ich die frische reine Luft tief ein und genieße dabei die Ruhe des Morgens. Ich lasse meinen Blick über die schneebedeckte Umgebung schweifen und achte bewusst auf die Gedanken, die hierbei in meinem Kopf auftreten. Mein inneres Kind freut sich über den ersten Schnee. Emotional verbinden wir wohl alle die weiße Pracht mit Schneemannbauen, Schneeballschlachten und Schlittenfahrten. Daneben macht mich das kalte Weiß allerdings auch nachdenklich. Schnee bedeckt alles Hässliche und macht daraus etwas Reines, Glitzerndes- etwas Neues und das sogar heute pünktlich im neuen Jahr. Schnee hat etwas Reines, Unschuldiges und bringt Menschen zum Träumen. Er legt sich wie ein Teppich auf alles, ob neu oder alt, schön oder hässlich. Dabei schafft er die Illusion von Schönheit und Unschuld.
Heute am 01.01.2026 verbirgt die nasse Schönheit hierzulande lediglich die Reste einer durchfeierten Nacht, aber es gab in unserer Vergangenheit Zeiten, in denen der Schnee Kriegsgefallene bedeckt hat und auf groteske Weise kurz den Anschein auf eine reine Welt erweckt hat. Wie trügerisch, oder? Aber der Mensch braucht Illusionen und Träume. Heute macht nicht nur das Wetter, sondern auch das Datum alles neu. In der Nacht wurde das Ende des Vorjahres und der Anfang des Neujahres gefeiert.
Ich ertappe mich kopfschüttelnd beim Gedanken, wieso eigentlich gefeiert wird. So richtig positiv blicke ich nicht auf das Kommende im Hinblick auf Weltgeschehen, politische Umschwünge und wachsende Unzufriedenheit im Allgemeinen. Aber das Alte ist verdrängt und wir freuen uns einfach auf das Neue. Mit genug Alkohol und adrenalingeschwängerter Böllerei-kein Problem.
Heute gibt es dann neben Katerfrühstück und Kopfschmerztabletten vielerorts ein Spaziergang in eine Glitzerwunderwelt. Unsere guten Vorsätze halten noch einige Tage und dann finden wir uns irgendwann wieder im neuen Alten.
Möge das neue Jahr mit uns sein!
Prost😊