
Der Dry January ist gut gemeint und kann auf individueller Ebene durchaus etwas bewirken. Wer glaubt, mit einem alkoholfreien Monat lasse sich der Alkoholkonsum nachhaltig senken, verkennt das Ausmaß des Problems. Die Kampagne ist vor allem symbolisch. Nach vier Wochen kehrt der Alltag zurück – und mit ihm ein Umfeld, in dem Alkohol billig, jederzeit verfügbar und allgegenwärtig ist. Solange sich daran nichts ändert, bleibt der langfristige Effekt begrenzt.
Wenn Politik es ernst meint mit Prävention, muss sie an die wirksamsten Hebel heran. Der wichtigste davon ist der Preis. Ein Mindestpreis pro Alkoholeinheit würde den Verkauf von billigem Alkohol eindämmen und den Konsum messbar senken. Studien zeigen, dass sich der Jahreskonsum dadurch um fünf bis zehn Prozent reduzieren ließe. Dass diese Maßnahme unpopulär ist, macht sie nicht weniger notwendig.
Ebenso entscheidend ist die Verfügbarkeit. Alkohol rund um die Uhr und oft zu Schleuderpreisen anzubieten, fördert spontanen und übermäßigen Konsum. Einschränkungen beim Spätverkauf sowie ein Verbot aggressiver Rabattaktionen würden die konsumierte Gesamtmenge senken – ohne irgendwem etwas zu verbieten.
Ein weiterer Faktor ist das Mindestalter für den Alkoholerwerb. Ein früher Zugang zu Alkohol birgt erhebliche Risiken: Je früher Menschen mit Alkoholkonsum beginnen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für problematischen Konsum im späteren Leben. Frühkonsum beeinflusst die Entwicklung des Gehirns und erhöht erheblich das Risiko für Abhängigkeit. Ein konsequent durchgesetztes und gegebenenfalls angehobenes Mindestalter für den Alkoholkauf wäre eine wirksame präventive Maßnahme – insbesondere zum Schutz von Jugendlichen. Prävention beginnt nicht erst beim bewussten Verzicht im Erwachsenenalter, sondern beim klaren Schutz junger Menschen vor einem zu frühen Einstieg.
Noch immer wird Alkohol beworben, als handle es sich um ein harmloses Genussmittel. Dabei ist er das nicht. In Luxemburg sind schätzungsweise rund sieben Prozent aller Todesfälle direkt oder indirekt auf Alkoholkonsum zurückzuführen – durch Krankheiten wie Krebs oder Leberzirrhose ebenso wie durch Verkehrsunfälle. Alkohol gehört zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken des Landes.
Der eigentliche Wert des Dry January liegt darin, dass Menschen erfahren können, wie gut sich ein Leben mit weniger Alkohol anfühlen kann: besserer Schlaf, mehr Energie, bessere Konzentration. Doch aus dieser Erkenntnis muss mehr folgen als ein guter kurzzeitiger Vorsatz. Ohne weitere politische Entscheidungen und Initiativen, bleibt der alkoholfreie Monat nur eine nette Geste – der wahre Kern des Problems bleibt bestehen. Gesundheitskampagnen motivieren – Regeln aber verändern längerfristig Verhalten. Wenn Luxemburg sich aus dem Ranking der Topnationen des Alkoholkonsums wirklich verabschieden möchte, braucht es weniger Symbolik und mehr Struktur.