Alain JaansFeiersteppler ja, Soldat nein?

Lieserbréif vum Alain Jaans
© Direction de la défense / RTL Grafik

Die aktuelle Empörung über den Vorschlag, militärische Motive auf zukünftigen Euro-Banknoten abzubilden, offenbart vor allem eines: eine bemerkenswerte Doppelmoral – wie ein Blick in die Kommentarspalten von RTL.lu dies eindrucksvoll belegt.

Seit Jahrzehnten finden sich auf europäischen Münzen, Briefmarken und Banknoten Symbole von Berufen und deren typischen Arbeitsgeräten. Hammer und Sichel wurden millionenfach dargestellt. In Luxemburg ist der Feiersteppler als Symbol der Stahlindustrie fester Bestandteil unseres kulturellen Erbes. Niemand sieht darin eine Verherrlichung schwerer körperlicher Arbeit oder gar der Gefahren, die mit diesem Beruf verbunden waren. Niemand fordert deshalb die Abschaffung solcher Motive.

Sobald jedoch ein gepanzertes Fahrzeug oder das Gewehr eines Soldaten erwähnt wird, setzt bei manchen reflexartig die moralische Empörung ein – wie fast alle Kommentaren auf RTL.lu beweisen.

Ein Gewehr ist für einen Soldaten zunächst das dienstliche Einsatzmittel seines Berufs – so wie Hammer, Säge oder Schlägel die typischen Werkzeuge anderer Berufe sind. Seine Darstellung bedeutet nicht automatisch die Verherrlichung von Krieg, genauso wenig wie der Feiersteppler eine Verherrlichung schwerer Industriearbeit oder Hammer und Sichel einen Aufruf zum Kommunismus darstellen.

Besonders widersprüchlich wird diese Haltung in Krisenzeiten. Wenn Waldbrände ganze Regionen verwüsten, wie derzeit in Frankreich, und Soldaten evakuierte Ortschaften gegen Plünderungen sichern, wird ihre Präsenz als selbstverständlich empfunden. Dann sind ihre Fahrzeuge, ihre Ausrüstung und ihre Einsatzbereitschaft plötzlich unverzichtbar. Kaum ist die Gefahr vorüber, soll dieselbe Ausrüstung als Symbol angeblich untragbar sein.

Diese Haltung ist inkonsequent. Wer den Schutz durch Streitkräfte selbstverständlich in Anspruch nimmt, sollte ihren Beruf nicht gleichzeitig symbolisch delegitimieren. Solidarität darf keine Einbahnstraße sein: Unterstützung einzufordern und jede Form der symbolischen Anerkennung reflexartig abzulehnen, ist ein Widerspruch. Die nächste Naturkatastrophe oder Sicherheitslage kommt bestimmt, ich erinnere an den Tornado von vor einigen Jahren.

Über den konkreten Entwurf kann man unterschiedlicher Meinung sein. Was mich jedoch stört, ist die moralische Beliebigkeit, mit der identische Maßstäbe je nach Berufsgruppe völlig unterschiedlich angewendet werden. Genau diese Doppelmoral ist das eigentliche Problem – nicht die Abbildung eines Arbeitsmittels!

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