Pol SasselGare la mine!

Lieserbréif vum Pol Sassel
© RTL Grafik

Wenn ich Apart TV sehe, sieht man noch den Jumbo in den Galerien bohren, das Eisen, das Licht der Grubenlampe, der Staub. Es war bestimmt keine leichte Zeit. Denn sie hatten keine warmen Büros, kein Facebook, aber sie hatten die Kaue, den Korb mit dem trockenen Brot, und die Hand am Presslufthammer. Die Lunge voll Staub, der Rücken krumm. Und doch - Gott, das war ihre goldene Zeit!

Denn wenn der Ruf kam: Gare la mine! - da hielt das ganze Tal den Atem an. Der Meister zählte seine Männer. Einer für alle. Nach dem Schlag gab es das stille Nicken: Wieder gut gegangen. Wieder ein Stück Luxemburg aus dem Berg geholt. Da war Stolz. Da war Kameradschaft. Der Italiener teilte mit dem Luxemburger die Zigarette, der Portugiese seinen Wein. Sie waren arm, aber sie waren zufrieden. Sie wussten, wofür wir schwitzten.

Und der kirchliche Schutz war auch gewährt durch die Hl Barbara: Die Schutzpatronin der Bergleute ist die heilige Barbara von Nikomedien. Ihr Gedenktag, der Barbaratag, wird bis heute noch jedes Jahr am 4. Dezember gefeiert, denn Sie gilt als Beschützerin der Bergleute bei ihrer gefährlichen Arbeit unter Tage.

Und sonst sitzt man heute im Warmen, im tristen Licht des Bildschirms. Man bohrt keine Löcher mehr in den Fels, man bohrt in der Nase und schreibt doofe Profile ins Internet. Jeder ist Experte, keiner kann mehr eine Schaufel halten. Man ist nicht mehr stolz auf das, was man schafft, sondern auf das, wie viele Daumen man bekommt für nichts. Das ist die triste, doofe Zeit von heute.

Die Alten im Süden, die noch leben - fragt sie! Solange sie noch da sind. Sie werden euch nicht vom Staub erzählen, sie werden euch von der Zufriedenheit erzählen.

Gare la mine, damals wie noch heute?

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