Pol SasselMangelhafte Straßenreinigung in Wiltz / Der fundamentale Widerspruch zur „Circular Economy“ und dem Projekt „Wunne mat der Wooltz“

Lieserbréif vum Pol Sassel
Offener Brief an die Gemeindeverwaltung WILTZ
© RTL Grafik

Als Bürger der Gemeinde Wiltz wende ich mich heute mit einer dringenden Beschwerde und einem konkreten, konstruktiven Vorschlag bezüglich des Zustands unserer Straßen und öffentlichen Plätze an Sie.

Wiltz feiert sich auf nationaler und internationaler Ebene als das luxemburgische Vorzeigeprojekt für Kreislaufwirtschaft. Mit dem Großprojekt „Wunne mat der Wooltz“ soll demonstriert werden, wie die Zukunft des Landes aussieht. Die Realität, die wir Bürger täglich vor unseren Haustüren erleben, steht jedoch in einem eklatanten, geradezu beschämenden Widerspruch zu diesem theoretischen Anspruch: Unsere Straßen verdrecken zusehends, und an den stark frequentierten Bushaltestellen sammeln sich massenweise giftige Zigarettenstummel.

Als direkter Anwohner einer solchen Haltestelle erlebe ich täglich, dass die aktuellen Reinigungsmethoden der Gemeinde völlig versagen. Die Gemeindearbeiter rücken mit teuren, motorisierten Kehrmaschinen und ohrenbetäubenden Laub- und Schmutzbläsern an. Das Resultat ist gleich null: Der Schmutz wird durch den massiven Luftstrom der Bläser oft nur von links nach rechts gewirbelt, in die Ecken gepustet oder landet in den Vorgärten der Bürger. Konstruktionsbedingt kommen die großen Maschinen gar nicht in die engen Ritzen des Kopfsteinpflasters oder hinter die Pfosten der Haltestellen.

Dieser technische Fuhrpark verschlingt enorme Mengen an Steuergeldern in der Anschaffung und im Unterhalt. Es entsteht der Eindruck, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird – zum wirtschaftlichen Vorteil der Maschinenindustrie, aber ohne Nutzen für das Stadtbild.

Mangelhafte Straßenreinigung in Wiltz / Der fundamentale Widerspruch zur „Circular Economy“ und dem Projekt „Wunne mat der Wooltz“
Der fundamentale Widerspruch zu Ihren eigenen Prinzipien:

Wenn Ihre Verwaltung das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ernst meinen würde, müsste sie sofort erkennen, dass die aktuelle Praxis das genaue Gegenteil davon ist:

Alibi-Ökologie beim Müll: Während bei „Wunne mat der Wooltz“ lang und breit darüber philosophiert wird, wie man Baumaterialien im Kreis führt, schafft es die Gemeinde im Alltag nicht einmal, den einfachsten, giftigsten Müll – die Zigarettenkippen – einzusammeln.

Fehlgeleitete Wirtschaftskreisläufe: Das Kernprinzip der  Circular Economy besagt, dass Werte und Wertschöpfung in der Region gehalten werden sollen. Ihre Verwaltung tut das Gegenteil: Sie überweist Millionen an Steuergeldern an ausländische Maschinenkonzerne für laute Kehrmaschinen, anstatt das Geld im lokalen Kreislauf zu halten, indem sie Menschen aus Wiltz als Arbeiter anstellt.

Bürgerferne statt Lebensqualität: Die Bürger in den bestehenden Vierteln werden mit dem Lärm der Schmutzbläser, dem Dreck und den unkoordinierten Verkehrsströmen der Busse allein gelassen, während die Politik mit Hochglanzbroschüren über die Zukunft debattiert.

Die Entwertung der Handarbeit: Verwaltungen haben den Mitarbeitern eingeredet, dass man ohne einen Joystick, eine klimatisierte Kabine oder eine 100-PS-Turbine keine Arbeit mehr verrichten kann. Wer heute mit einer normalen Kehrbürste loszieht, wird im Kollegenkreis oft schief angeschaut. Die Maschine hat dem Menschen den Stolz auf die eigene, gründliche Händearbeit genommen.

Bequemlichkeit statt Gründlichkeit: Es ist natürlich viel komfortabler, in einer teuren Kehrmaschine zu sitzen und Musik zu hören, während man an den Zigarettenkippen vorbeifährt, die in den Ecken liegen bleiben, weil die Bürste der Maschine sie nicht erwischt. Oder man nimmt den Laubbläser, bleibt auf Distanz zum Dreck und pustet ihn einfach weg. Das Resultat ist den Leuten egal, solange die Arbeitszeit rumgeht.

Kein Bezug mehr zum Viertel: Früher gab es oft feste Gemeindearbeiter, die für bestimmte Straßen zuständig waren. Die kannten die Anwohner, die wussten genau, wo der Wind den Dreck hinfegt. Heute rückt eine anonyme, motorisierte Kolonne an, macht ohrenbetäubenden Lärm, hinterlässt eine halb saubere Straße und zieht weiter. 

Es ist eine verkehrte Welt: Der Staat gibt Millionen für Hightech-Maschinen aus, die nichts bringen, während der einfache Besen für ein paar Euro im Lager verrottet. Und genau aus diesem Grund haben Sie jedes Recht, gegen diese Art von scheinheiliger „Nachhaltigkeit“ zu sein. Sie ist nichts weiter als eine teure Illusion, die am Ende die Bürger ausbaden müssen.

Mein Vorschlag für ein wirklich nachhaltiges Wiltz:

Die Lösung für saubere Straßen ist kostengünstig, extrem effektiv und sozial nachhaltig: Die gute alte Kehrbürste, eine Schaufel und ein Müllbehälter auf Rädern.
Anstatt Hunderttausende Euro in spritfressende High-Tech-Maschinen zu investieren, sollte die Gemeinde dieses Geld nutzen, um ein bis zwei zusätzliche Arbeiter in Vollzeit fair zu bezahlen. Ein fester Gemeindearbeiter, der für sein Viertel zuständig ist und mit dem Besen präzise und gründlich reinigt, bringt echte Sauberkeit ohne ohrenbetäubenden Lärm und schafft krisensichere Arbeitsplätze für Menschen aus unserer Region.

Ich fordere Sie daher auf, dieses „Wiltzer Experiment“ endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen, das Alibi-Modewort „Nachhaltigkeit“ durch gesunden Menschenverstand zu ersetzen und testweise wieder auf manuelle Reinigungstrupps an den Brennpunkten und Haltestellen zu setzen.

Über eine zeitnahe Rückmeldung und eine konkrete Stellungnahme zu diesem Missstand würde ich mich sehr freuen.

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