Lieserbréif vum Frank BertemesPolitisches Feeling?

RTL Lëtzebuerg
„Man kann sagen, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft - Verantwortungsgefühl - Augenmaß.“ Max Weber
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Exemplarisch, beispielhaft. Eigentlich ein Adjektiv, das man als Eigenschaft eines Politikers, besonders in führender Position, voraussetzen müsste und dem einführenden Zitat terminologisch noch hinzugefügt werden könnte. Exemplarisches Handeln mit Leidenschaft, Verantwortungsgefühl – jedoch klar mit Augenmaß. Dass dies heuer jedenfalls nicht mehr der Fall zu sein scheint, ist klar Fakt – ohne die gewählten Volksvertreter*innen in ihrer an sich noblen Funktion ob der rezenten Ereignisse in lokalem Politumfeld allerdings unter einen Generalverdacht zu stellen. Denn das wäre mit Sicherheit ungerecht, unfair und schlicht generell nicht zutreffend.

Die Aktualität in unserem Ländchen hat das Thema allerdings wieder landesweit befeuert. Mit entsprechend engagierten und mehr als deutlichen Aussagen, die aufgrund der Differdinger Zustände eine landesweite Debatte ausgelöst haben, die an sich in ihrer Konsequenz für ein mehr als angesagtes und opportunes Update der Demokratie in unserem Ländchen im Endeffekt hoffentlich nicht einmal so schlecht sein könnte. Nichts ist bekanntlich so schlecht, dass es nicht wieder für etwas gut ist! Und das trifft besonders für die Politiker und ihrem politischen Feeling, das jedenfalls zu überprüfen wäre, dies ob ihrer verantwortlichen Aufgaben für die Zukunft, besser für IHRE persönliche Zukunft zu. Wie es allerdings sein kann, dass verschiedene von ihnen den Norden auf dem Kompass so dramatisch zu verlieren sich erlaubten, muss den politischen Beobachter trotzdem verwundern. Besonders dann, wenn man sich als früheres, aktives Mitglied der GAP, das sich den Prinzipien sozial, ökologisch, basisdemokratisch verpflichtet fühlte, wundern muss, wie die zitierten Grundprinzipien grüner Alternativpolitik früherer Zeit gewissen Mitstreitern vergangener Tage im Laufe der Zeit völlig abhandengekommen sind. Haben jene doch recht behalten die von „falschen Grünen” und der Warnung, dass „die doch nicht besser sind als die anderen” in ihren abschätzigen Bemerkungen faselten? Es tut jedenfalls weh, sehr weh, eine derartige Entwicklung personeller Natur eines an sich mit Sicherheit engagierten, leidenschaftlichen Politikers einer grüner Partei verfolgen zu müssen, der durchaus noch mehr für dieses Land hätte bewegen können. Schade, sehr schade! Dass der Mann politisch nicht mehr tragbar ist, dürfte für die heutigen Grünen und für ihre Partei wohl nur eine logische Konsequenz sein!

Wir leben im Zeitalter der sozialen Netzwerke, des digitalen Schriftverkehrs. Alles wird getwittert, gemailt, gepostet, geskypt. Was einst von Angesicht zu Angesicht besprochen wurde, findet sich heuer auf Facebook – wir sind in beträchtlichem Ausmaß veröffentlichte Wesen. Diese Transparenz bedeutet Vorteil und Druck zugleich, rasche und schrankenlose Erreichbarkeit, Teilbarkeit, Mitteilung und Verbreitung, Instrumente, die fantastisch sein können, werden allerdings ebenso auch Fluch und Sucht. Tatsache ist, dass diese elektronischen Instrumente prinzipiell für die politische Kaste im Genuss ihrer oft übertriebenen Selbstdarstellungssucht sehr hilfreich sind, sie allerdings ebenso schnell in den Untergang treiben können. Umso mehr sind sie jedenfalls gezwungen, sich ihre diversen Politspielchen und ihre sonstigen Aktionen lokaler und nationaler Natur sehr genau, mit Augenmaß eben, zu überlegen.

Ansonsten ihre Zeit, für jeden von ihnen, auch für jene, dies sich für unantastbar halten, in moderner Demokratie – die mit absoluter Sicherheit wieder aufleben wird – und das früher als erwartet, vorbei sein kann...

Wie bereits einmal erwähnt, steht im Alten Testament der Bibel: “Hoffart kommt vor dem Sturz und Hochmut kommt vor dem Fall”. Die erste Übersetzung wurde vielerorts mit “stolzer Mut kommt vor dem Fall” überliefert. Doch stolzer Mut ist eine völlig andere Eigenschaft als Hochmut. Stolzer Mut verspricht Kühnheit im Sinne von tapfer.

Hochmut betitelt schnöde Selbstüberschätzung.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Der Unterschied zwischen Mut und Hochmut, der eben auch zum politischen Feeling gehört...

Frank Bertemes

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