Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer haben im September auf Facebook ein Bild geteilt, das scheinbar einen Orang-Utan zeigt, der einem Mann helfend die Hand reicht. In den Postings wird behauptet, dass der Mann ein Geologe sei, der ins Wasser fiel. Der Mann ist allerdings ein Angestellter einer Umweltschutzorganisation in Indonesien, der ins Wasser stieg, um dort Wartungsarbeiten durchzuführen. Das Management der Organisation zur Rettung von Orang-Utans sagte gegenüber AFP, dass das Tier den Angestellten kannte und wahrscheinlich um Essen bat.

Es sei ein "Bild, das in der Geschichte bleiben wird". Auf einer im September auf Facebook geteilten Aufnahme (hier, hier, hier) streckt ein Orang-Utan vom Ufer aus einem Mann im Wasser seine Hand entgegen. Dazu wird im Text die Szene als angeblich helfende Geste des Menschenaffen gegenüber einem Geologen, der ins Wasser fiel, beschrieben. Hunderttausende haben das Bild geteilt.

Die Behauptung: Zu der "berührenden Szene" heißt es in den Postings: "Das Bild zeigt einen Orang-Utans, der derzeit vom Aussterben bedroht ist, während er seine Hand ausstreckt, um einem Geologen zu helfen, der während seiner Suche in einen Schlammpool gefallen ist..." Aufgenommen habe das Bild der Fotograf Anil Prabhakar in einem Wald in Indonesien.

RTL

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 30.09.2021

Aufgenommen hat das Bild tatsächlich der Fotograf Anil Prabhakar. Am 23. Januar 2020 veröffentlichte er das Foto auf Instagram, seither haben es mehr als 91.000 Nutzerinnen und Nutzer geliked. Zum Foto schrieb Prabhakar: "Lass mich helfen? Wenn das Menschliche der Menschheit stirbt, führen uns Tiere manchmal zu unseren Grundsätzen zurück."

Die Geschichte hinter dem Bild weicht allerdings etwas von denen der deutschen Postings ab. Der Mann auf dem Bild ist ein Angestellter eines Wildreservats und war dort mit Wartungsarbeiten auf einer kleinen künstlichen Insel beschäftigt. Er war nicht ins Wasser gefallen und der Orang-Utan, der den Mann kannte, bat wahrscheinlich um Futter, wie die Verwaltung der Organisation zur Rettung von Orang-Utans, der "Borneo Orangutan Survival Foundation" (BOSF) gegenüber AFP erklärte.

Nachdem die Aufnahmen Aufmerksamkeit erregt hatten, erklärte Fotograf Prabhakar im Februar 2020 gegenüber CNN die Hintergründe des Bildes, wie sie auch in den Postings richtig wiedergegeben werden. Das Bild sei auf der Insel Borneo aufgenommen worden, wo er sich mit seinen Freunden auf einer Safari in dem Schutzgebiet befand, sagte er CNN.

Jamartin Sihite, der Geschäftsführer von BOSF, in dessen Schutzgebiet sich die Szene abspielte, sagte AFP am 29. September 2021 am Telefon, dass der weibliche Orang-Utan auf dem Bild namens Anih auf einer kleinen, von Menschenhand geschaffenen Insel lebe, um zu verhindern, dass das Tier in einem Käfig gehalten werden muss. Der Affe könne nicht in die freie Wildbahn entlassen werden.

"Das Foto wurde im BOSF-Rehabilitationszentrum für Orang-Utans in Samboja Lestari in Ost-Kalimantan aufgenommen", berichtete Jamartin Sihite weiter. Ost-Kalimantan ist eine Provinz in Indonesien. Er fügte hinzu, dass der Orang-Utan den Pfleger namens Syahrul kennt. BOSF versorgt Anih immer noch mit Futter, weshalb das Tier wahrscheinlich gedacht habe, dass Syahrul Futter brachte, als sie ihn sah, so der Geschäftsführer.

"Anih kann nicht in die freie Wildbahn entlassen werden. Ihre Fähigkeiten sind noch nicht weit genug entwickelt, dass sie in die Wildnis entlassen werden kann. Sie dachte, Syahrul wolle ihr Futter bringen, also bat sie ihn darum. Zu dieser Zeit führte er Wartungsarbeiten durch und säuberte das Gras. Er ist kein gefangener Geologe", sagte Jamartin Sihite.

"Anih und Syahrul kennen sich schon lange, seit den frühen 1990er Jahren", fügte Jamartin Sihite in einer schriftliche Stellungnahme gegenüber AFP am 3. Oktober hinzu. Es gebe mehrere künstliche Inseln, um Orang-Utans zu beherbergen, die wie Anih nicht in die Wildnis entlassen werden können, erklärte der Geschäftsführer.

Die Stiftung hat nachdem sich das Bild verbreitet hat, auch ein Video auf seinen Instagram-Kanal hochgeladen, in dem sie die Geschichte hinter dem Bild erklärt.

Die Umweltschutzorganisation BOSF kämpft gemeinsam mit der indonesischen Regierung und der globalen Gemeinschaft gegen das Aussterben und für den Erhalt der Orang-Utans und ihrer Lebensräume in Gebieten auf ganz Borneo, erklärt die Organisation auf ihrer Website.

Laut der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) haben der Klimawandel und menschliche Aktivitäten die Zahl der Orang-Utans auf Borneo drastisch reduziert. In den vergangenen 40 verringerte sich der Bestand der Tiere auf Borneo um die Hälfte, was einem Verlust von 44.170 bis 66.570 Tieren entspricht. Orang-Utans sind daher stark vom Aussterben bedroht.