Tausende Facebook-User haben Anfang Dezember ein vertrauliches Pfizer-Dokument geteilt, das angeblich Tausende Impf-Todesfälle und Fehlgeburten belege. Der Impfstoffhersteller Pfizer und die US-Arzneimittelagentur FDA hätten schon früh davon gewusst, heißt es weiter. Das angeführte Dokument belegt solche Fälle allerdings nicht. Auch Pfizer selbst dementierte einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Todesfällen. Im Gegenteil: Das Dokument zeige die Sicherheit von Impfungen. Diese Einschätzung bestätigen Behörden und klinische Studien.

Mehr als 1900 User haben seit dem 3. Dezember 2021 den Artikel mit den Behauptungen über das angeblich geheime Dokument auf Facebook geteilt (etwa hier, hier). Auf Telegram erreichte der Artikel-Link mehr als 171.000 Menschen. User meldeten den Blogartikel auch an die Whatsapp-Tipline von AFP Faktencheck.

Die irreführende Behauptung: Der Artikel der Plattform "Report 24" trägt den Titel "Vertrauliches Pfizer-Dokument entlarvt Vertuschung der Impfstoff-Todesfälle durch die FDA". Angeblich würden demnach "vertrauliche Dokumente" zeigen, "dass Pfizer und die FDA Anfang 2021 wussten, dass der mRNA-Impfstoff von Pfizer Tausende von Menschen tötete und Spontanabtreibungen verursachte, während sie dreimal mehr Frauen als Männer schädigten". Die mRNA-Impfungen würden demnach auch den Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion verstärken, während die Wirksamkeit des Impfstoffes aber unbekannt sei.

RTL

Screenshot des auf Facebook geteilten Links mit den Falschbehauptungen: 17.12.2021

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Falschbehauptungen über die Wirksamkeit und die Folgen der mRNA-Impfungen. Auch “Report24” hat AFP bereits mehrfach wegen der Verbreitung von Falschinformationen überprüft (hier, hier, hier, hier). Der aktuell verbreitete Artikel setzt diese Reihe an Falschinformationen fort.

Das steht tatsächlich im Dokument

AFP konnte nicht zweifelsfrei feststellen, wie das Pfizer-Dokument mit dem Titel "Kumulative Analyse unerwünschter Ereignisse nach der Zulassung. Berichte von PF-07302048 (BNT162B2), erhalten seit dem 28. Februar 2021" an die Öffentlichkeit gelangte. Jedenfalls bestätigte Pfizer auf Anfrage am 9. Dezember dessen Echtheit.

Das Dokument führt gemeldete Nebenwirkungen nach Impfungen mit dem BNT162B2-Impfstoff von Biontech/Pfizer auf. Darunter auch Todesfälle. Ein Beweis für den Zusammenhang mit der Impfung ist das aber nicht. Im Dokument weist Pfizer selbst auf die begrenzte Aussagekraft der die Datengrundlage hin.

Die Daten würden aus verschiedenen Quellen stammen, etwa von Gesundheitsbehörden, aus medizinischer Fachliteratur und klinischen Studien, bei denen allerdings eine Kausalitätsbewertung fehle. Es sei demnach nicht klar, ob ein Zusammenhang bestehe. Auch würden oft klinische Daten etwa zur Anamnese, Validierung der Diagnose, Zeit zwischen der Einnahme des Arzneimittels (Anm. d. Red.: Impfungen gelten als Arzneimittel) und dem Auftreten der Krankheit, Dosis und Verwendung von Begleitmedikamenten fehlen (etwa Medikamente, die zur gleichen Zeit eingenommen wurden).

Weiter heißt es:

Erst nach diesen Hinweisen gibt Pfizer einen Überblick über den Ausgang der gemeldeten Nebenwirkungen. In dem Dokument tauchen dabei auch 1223 gemeldete Todesfälle auf. Im Bericht sind diese Todesfälle jedoch keiner spezifischen Todesursache zugeordnet.

Das sagen Pfizer und die FDA

AFP Faktencheck kontaktierte Pfizer am 9. Dezember 2021 zum Dokument. Pfizer-Sprecherin Dervila Keane erklärte in einem Telefonat, die Zahl von 1223 Todesfällen unter 158.893 unerwünschten Nebenwirkungen bei Millionen geimpften Menschen weltweit in diesem Zeitraum spiegelt "spontane" Berichte ohne Überprüfung der Ursache wider.

Pfizer kommt im Dokument außerdem zum Schluss, dass "die Daten keine neuen Sicherheitsbedenken oder Risiken aufzeigen, die eine Änderung der Kennzeichnung erfordern", und "ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis" für den Impfstoff bestätigen, von dem laut Keane bisher etwa 2,5 Milliarden Dosen ausgeliefert wurden.

Die US-Gesundheitsbehörden Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und die Federal Drug Administration (FDA) sammeln ebenfalls Berichte über Todesfälle und andere Nebenwirkungen nach Impfungen über die Datenbank des sogenannten Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS).

Sprecherin der FDA, Alison Hunt, erklärte gegenüber AFP am 13. Dezember in einer E-Mail, dass die FDA von den Gesundheitsdienstleistern verlange, jeden Todesfall nach einer Impfung an das System zu melden, "selbst wenn unklar ist, ob der Impfstoff die Ursache war". Die Berichte über Todesfälle nach Covid-19-Impfungen seien selten. Weiter erklärte sie:

Das sagt die Forschung

Die klinische Forschung zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von Pfizer und Todesfällen. Eine multinationale, placebokontrollierte, verblindete Studie, die am 31. Dezember 2020 das New England Journal of Medicine veröffentlichte, zeigte bereits keine Todesfälle unter den Empfängern des Impfstoffs oder des Placebos und stellte fest:

Eine Folgestudie über die ersten sechs Monate der Anwendung des Impfstoffs, die dieselbe medizinische Fachzeitschrift am 4. November 2021 veröffentlichte, ergab ähnliche Ergebnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs.

Die beteiligten Forschenden fanden unter 43.847 Studien-Teilnehmenden 15 Todesfälle unter denjenigen, die den Impfstoff erhielten, und 14 in der Placebogruppe. In einer späteren Phase der Studie starben noch einmal drei unter den Geimpften und zwei in der Placebogruppe. In der Fachzeitschrift heißt es dazu:

Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Überwachung der Impfstoff-Sicherheit verantwortlich ist, bestätigt ein ähnliches Sicherheitsprofil für Deutschland. Zu Todesfällen berichtete AFP Faktencheck bereits am 3. Dezember 2021. Das PEI erfasst in Sicherheitsberichten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen von Covid-Impfstoffen und erklärt auch Hintergründe zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, die möglicherweise mit einer Covid-Impfung zusammenhingen.

Laut des aktuellsten Sicherheitsberichts vom 26. Oktober 2021 haben Ärztinnen und Ärzte bis zum 30. September 2021 172.188 Einzelfallberichte zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen an das PEI gemeldet. 1,3 Prozent dieser Fälle waren Todesfälle im zeitlichen Kontext des Pfizer-Impfstoffs. Es gab dabei keinen bewiesenen ursächlichen Zusammenhang zur Impfung.

Das PEI erklärte im Sicherheitsbericht: "Impfungen mit wirksamen und verträglichen Covid-19-Impfstoffen sind eine effektive Maßnahme, die Corona-Pandemie einzudämmen und sich selbst vor Covid-19 zu schützen."

Beweist das Dokument, dass mRNA-Impfungen von Pfizer zu Fehlgeburten führen?

Das Dokument verweist auf 23 Meldungen spontaner Schwangerschaftsabbrüche bei 274 Schwangerschaften. Auch hier gibt es wie oben beschrieben, keinen bewiesenen ursächlichen Zusammenhang.

AFP Faktencheck hat Behauptungen über einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Schwangerschaftsabbrüchen bereits im Juli 2021 überprüft und später mit Daten vom 8. September ergänzt. Forschende der CDC kamen dabei zum Ergebnis, dass die Fehlgeburtsquote bei einer Stichprobe von Geimpften lediglich bei 12,8 Prozent lag, das ist im Rahmen der üblichen Fehlgeburtsraten der vergangenen Jahre. Die Studie läuft noch weiter, weil manche Schwangerschaften noch nicht beendet sind und immer wieder neue Schwangere in die Studie einbezogen werden.

Auswirkungen einer mRNA-Impfung auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung

Das Pfizer-Dokument behandelt zwar auch mögliche Impfdurchbrüche. Eine Bewertung, ob diese zu schwereren Krankheitsverläufen führten, hat AFP Faktencheck darin aber nicht gefunden.

Die Behauptung, dass mRNA-Impfstoffe, speziell von Biontech/Pfizer, nicht funktionierten oder ihre Wirksamkeit unklar sei, hat AFP Faktencheck schon mehrfach geprüft.

Dieser AFP Faktencheck vom 23. November 2021 erklärt ausführlich, dass mRNA-Impfstoffe einen Schutz vor Corona-Infektionen bieten und einen noch besseren Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe.

AFP Faktencheck hat dazu auch den Impfstoffforscher Dr. Torben Schiffner vom Universitätsklinikum Leipzig zur Wirksamkeit von Covid-Impfstoffen befragt. Er fasste am 5. August in einer E-Mail zusammen:

"Es gibt inzwischen eine große Anzahl von Studien aus mehreren Ländern, die eindeutig belegen, dass Impfstoffe einen hohen Schutz vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 bieten. Dies gilt sowohl für leichte, insbesondere aber auch für schwere Krankheitsverläufe. Weiterhin ist eine Weitergabe des Virus bei Geimpften deutlich unwahrscheinlicher als bei Ungeimpften."

AFP fand keine relevanten Studien, die schwerere Krankheitsverläufe von Geimpften im Vergleich mit Ungeimpften feststellte. Zur Effektivität des Impfstoffs gegen die neue Variante liegen nur wenige Daten vor.

RTL

Das sagt "Report24"

AFP hat "Report24" zu den Falschbehauptungen kontaktiert. Am 21. Dezember erklärte ein Sprecher in einer E-Mail: "All unsere Artikel sind penibel recherchiert, natürlich nicht fehlerfrei, natürlich nicht im Besitz einer göttlichen einzigartigen Wahrheit, weil wo Menschen arbeiten, Fehler passieren."

Fazit: Die Behauptung, das Pfizer-Dokument belege Tausende Todesfälle und spontane Schwangerschaftsabbrüche, ist falsch. Das Dokument selbst weist darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang der gemeldeten Impf-Nebenwirkungen zum Impfstoff fehlt. Das Dokument, Pfizer und auch andere Behörden kommen zu dem Schluss, dass der Nutzen des Impfstoffs die Risiken überwiegt. Darüber hinaus zeigen Daten, dass mRNA-Impfstoffe zu keiner höheren Fehlgeburtsrate führen. Weitere Daten zeigen, Impfstoffe schützen vor Corona-Infektionen und schweren Krankheitsverläufen.

Unsere Faktencheck-Redaktion wurde über WhatsApp auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Sollten auch Sie mögliche Falschinformationen erreichen, wenden Sie sich gerne an unsere WhatsApp-Tipline unter: +49 172 252 40 54